Sicarius-Spinnen und ihre wahre Tödlichkeit

Sicarius-Spinnen, auch als Killerspinnen bekannt, werden von vielen Menschen gefürchtet. Aber sind sie wirklich so gefährlich? Hier erfährst du alles über dieses Thema.
Sicarius-Spinnen und ihre wahre Tödlichkeit

Letzte Aktualisierung: 02. Juli 2021

Sicarius-Spinnen gehören zur gleichnamigen Gattung Sicarius, die insgesamt besser als Sandspinnen, Sechsäugige Spinnen oder Killerspinnen bekannt sind.

Tatsächlich kommt ihr wissenschaftlicher Name Sicarius aus dem lateinischen und bedeutet Mörder. Diese Spinnen bewohnen die Wüsten Afrikas und trockene Gebiete in Süd- und Mittelamerika.

Derzeit sind 124 Arten in der Familie Sicariidae bekannt, die sich auf zwei Gattungen verteilen: Loxosceles mit 103 Arten und Sicarius mit 21.

Alle diese Arten sind von medizinischer Bedeutung, da sie in ihrem Gift einen Wirkstoff enthalten, der Hautnekrosen auslöst.  Von den beiden Gattungen wird das Gift der Sicarius-Spinne als das giftigste angesehen.

Welche wichtigen Merkmale der Sicarius-Spinne muss man kennen?

Nachfolgend sind einige Merkmale aufgeführt, die dieses wirbellose Tier charakterisieren:

  • Sie sind von Natur aus scheu und kaum aggressiv. Spinnen der Gattung Sicarius bauen keine Netze: Sie verbringen ihr Leben im Sand oder in der Erde eingegraben, versteckt unter Steinen oder in einem Bau. Daher ist es normal, dass ihr Körper mit Sandkörnern bedeckt ist.
  • Aufgrund ihrer Lebensgewohnheiten sind sie ausschließlich in Wüsten- und Trockengebieten zu finden.
  • Die Gattung der Sicarius-Spinne ist die größte: Ihr Körper ist bis zu 1,5 Zentimeter groß und wenn man die Länge der Beine hinzurechnet, kann die Spinne insgesamt 5 bis 6 Zentimeter lang sein.
  • Die äußere Kutikula des Tieres ist dicht mit kleinen, haarähnlichen Stacheln bedeckt.
  • Von der Farbe her können sie gelblich oder braunrötlich sein.
  • Sie haben 6 kleine getrennte Augen, die in einer U-förmigen Reihe angeordnet sind.
  • Diese Spinnen leben mindestens 12 Jahre.
Sicarius Spinne

Was fressen diese Spinnen?

Alle bekannten Sicarius-Spinnen sind Fleischfresser, obwohl die Informationen über die bevorzugte Beute dieser Spinnen begrenzt sind.

Es gibt jedoch Beweise dafür, dass sowohl die in Afrika als auch die in Amerika gefangenen Arten in freier Wildbahn Kakerlaken, Ameisen, Grillen, Skorpione und Spinnen fressen. Es gibt keine Hinweise darauf, dass sie irgendwelche Wirbeltiere jagen oder fressen.

Haben sie ihren Ruf als Killerspinnen zu Recht?

Zunächst einmal muss man darauf hinweisen, dass der Schweregrad eines Spinnenbisses von mehreren Faktoren abhängt:

  • Ob das Gift zum Zeitpunkt der Injektion die toxischen Bestandteile enthält: Es wird allgemein ignoriert, dass die Zusammensetzung des Giftes variiert. Vergleichende Analysen deuten darauf hin, dass diese Unterschiede im Gift mit der Geographie, dem Lebensraum und den Strategien beim Beutefang zusammenhängen können.
  • Dass die injizierte Giftmenge ausreicht, um eine Vergiftung auszulösen: Die Produktion von Gift ist begrenzt. Bei Sicarius-Spinnen wurde eine Produktion von 0,15 bis 0,23 Milligramm unter optimalen “Melk”-Bedingungen berichtet.
  • Ob die Kieferklaue stark genug ist, um in die Haut einzudringen. Die der Sicarius-Spinnen sind nicht besonders robust.
  • Auch, dass die Möglichkeit des Kontakts mit Menschen besteht. Dieser Punkt ist sehr wichtig, da in der medizinischen Literatur ständig darauf hingewiesen wird, dass Sicarius-Spinnen außerhalb ihres endemischen Gebiets in Nordamerika verbreitet sind. Allerdings liefern diese Autoren nur selten bestätigende Beweise dafür, dass dies tatsächlich der Fall ist: Ohne den Fang der Spinne ist der Biss reine Vermutung.

Ist es üblich, dass diese Spinne in der Nähe von Menschen lebt?

Bei unseren Recherchen haben wir keine Berichte über den Fang von Sicarius-Spinnen in städtischen Gebieten gefunden. Allerdings gibt es einige Berichte über Spinnen der Gattung Loxoceles, die aus der gleichen Familie der Sicariidae stammen:

  • Im Jahr 1970 wurde in Studien erwähnt, dass in 645 chilenischen Wohnungen 5449 Loxoceles laeta gesammelt wurden. Allerdings wurden keine Vergiftungen verzeichnet.
  • In ähnlicher Weise wurden in einem Haushalt in Kansas, Vereinigte Staaten, innerhalb von 6 Monaten 2055 Loxoceles reclusa gesammelt. Trotz der erstaunlichen Zahl hatte niemand in der vierköpfigen Familie während der sechs Jahre ihres Aufenthalts in diesem Haus eine erkennbare Vergiftung erlitten.

Somit gibt es Beweise dafür, dass das Risiko von Spinnenbissen aus dieser Familie selbst an stark besiedelten Orten sehr gering ist.

Spinnengift und ihre Wirkung

Was ist zu erwarten, wenn man tatsächlich von einer Sicarius-Spinne gebissen wird?

Es ist wichtig zu wissen, dass es verschiedene Kategorien von Bissen dieser Spinnen gibt:

  • Nicht bemerkenswert: das heißt, der Biss verursacht kaum Schaden und heilt von selbst.
  • Leichte Reaktion: verursacht Rötung, Juckreiz. Es ist eine leichte Verletzung, die typischerweise von selbst abheilt.
  • Dermonekrose: Es tritt eine nekrotische Hautläsion auf, die von vielen als die typische Reaktion angesehen wird. Bei der Untersuchung des Giftes dieser Spinnen identifizierte man eine Giftkomponente als Ursache für diese Läsion: Sphingomyelinase D (SMD). Dabei handelt es sich um eine Reihe von Enzymen, die die Hydrolyse oder das Aufreißen der Lipidmembrane der Zellen katalysieren.
  • Systemisch oder viszerokutan: Es befällt das Gefäßsystem, ist sehr selten und potenziell tödlich.

Außer in Spinnengiften sind diese Enzyme auch in Bakterien und Pilzen nachgewiesen worden.

Dermonekrotische Toxine zeigen verschiedene pathologische Wirkungen, unter anderem Thromboseaggregation, Hämolyse, erhöhte Entzündungen, Nephrotoxizität, Ödeme, sowie neurotoxische und insektizide Wirkungen.

Was kann eine Dermonekrose in einem Gebiet verursachen, in dem die Sicarius-Spinne nicht endemisch ist?

Es gibt viele Krankheiten, die sich durch nekrotische Hautläsionen bemerkbar machen, aber leider mangelt es an Kenntnissen. Tatsächlich sind Arachnologen (Spinnen-Experten) der Meinung, dass kutaner Loxoscelismus viel häufiger diagnostiziert wird, als dies sein sollte.

Zu den gemeldeten Fehldiagnosen gehören unter anderem Lyme-Borreliose, Verätzungen, Karbunkel und MRSA-Infektionen.

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