Risiken und Vorteile von gentechnisch veränderten Stechmücken

Stechmücken gehören zu den gefährlichsten Arten, nicht wegen ihrer Größe oder Aggressivität, sondern wegen der Krankheiten, die sie übertragen können. Sie sind in der Lage, eine Sterblichkeitsrate von bis zu 750.000 Menschen pro Jahr verursachen.
Risiken und Vorteile von gentechnisch veränderten Stechmücken

Letzte Aktualisierung: 22. Mai 2022

Vektorübertragene Krankheiten sind weltweit ein großes Problem – vor allem in tropischen und subtropischen Regionen, wo sie am häufigsten vorkommen. Es besteht ein dringender Bedarf an Optionen, die eine bessere Kontrolle und Ausrottung all dieser Krankheiten ermöglichen. Eine dieser Möglichkeiten ist der Einsatz von gentechnisch veränderten Stechmücken.

Wie bei allem Neuen gibt es jedoch auch hier Ängste und Skepsis gegenüber ihrem Einsatz. Aus diesem Grund hat sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu Wort gemeldet, um über die Verwendung dieser transgenen oder modifizierten Stechmücken aufzuklären. Über dieses Thema werden wir hier sprechen. Wir laden dich ein, weiterzulesen und mehr darüber zu erfahren.

Was sind gentechnisch veränderte Stechmücken?

Wie ihr Name schon sagt, handelt es sich um Stechmücken, die in ihrer Genetik, d.h. in ihrer DNA (dem Molekül, das alle Informationen eines Lebewesens enthält), verändert wurden. Dazu wird eine Technologie namens rekombinante DNA verwendet, bei der ein Segment oder ein Gen verwendet wird, das eine Eigenschaft besitzt, die auf den Empfängerorganismus, in diesem Fall die Stechmücken, übertragen werden soll. Ein anderer Name für diese Mücken sind transgene Mücken.

Diese innovative Technik wurde bei verschiedenen Tieren eingesetzt, sogar bei Exemplaren, die für den menschlichen Verzehr bestimmt sind.

Warum werden transgene Mücken eingesetzt?

Du magst den Einsatz von veränderten Mücken für absurd halten. Doch die Idee entspringt einem großen Bedürfnis des öffentlichen Gesundheitswesens. Der Mensch ist seit langem Opfer zahlreicher Krankheitserreger, die überall zu finden sind und von Arten, die als Vektoren oder Überträger fungieren, von einem Ort zum anderen gebracht werden können.

Vektoren sind sehr vielfältig und umfassen unter anderem Stechmücken, Fliegen, Milben, Zecken, Läuse und Schnecken. Im speziellen Fall der Stechmücken können sie bestimmte Krankheiten übertragen. Dazu gehören Denguefieber, Gelbfieber, Malaria, Filariose, Chikungunyafieber und West-Nil-Fieber. Sie alle haben große Auswirkungen auf die Bevölkerung.

Um ein Beispiel für das Problem zu nennen: 2018 gab es weltweit etwa 228 Millionen Malariafälle mit einer tragischen Zahl von 405.000 Todesfällen. Das sind Daten, die zeigen, dass sich die Malaria mit den derzeitigen Methoden nicht bekämpfen lässt und dass Alternativen für die Ausrottung dieser Vektoren notwendig sind. Das gilt für Insekten, die ihr Territorium in den letzten Jahren ausgedehnt haben, was das Problem noch vergrößert.

Aus diesem Grund entstand die Initiative, gentechnisch veränderte Stechmücken einzusetzen, um die Malaria und die verschiedenen Krankheiten, die sie übertragen können, zu bekämpfen.

Welche Eigenschaften haben die durch Biotechnologie erzeugten Stechmücken?

Die Idee, die dahintersteckt, veränderte Stechmücken zu erzeugen, ist die Bekämpfung von Krankheiten. Deshalb müssen diese veränderten Insekten einige Eigenschaften besitzen, die in irgendeiner Weise zu diesem praktischen Zweck beitragen. Im Fall der Art Aedes aegypti (Überträger von Dengue, Zika und Chikungunya) wurde ein selbstlimitierendes Gen eingesetzt, das dafür sorgt, dass die Insekten sterben, bevor sie das Erwachsenenalter erreichen. Auf diese Weise werden die jeweiligen Populationen reduziert.

Es werden auch andere Marker-Gene verwendet, die die Identifizierung der transgenen Mücken ermöglichen – vor allem mit fluoreszierenden Fähigkeiten, sodass sie unter speziellem Licht erkannt werden können. So kann man sie von wilden Arten unterschieden und die veränderten Organismen nachverfolgen.

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Was sind die Risiken und Vorteile von gentechnisch veränderten Mücken?

Die Idee der transgenen Mücken ist unter Forschern umstritten. Einige befürworten ihre Umsetzung, andere lehnen sie ab und argumentieren, dass die Risiken die Vorteile überwiegen.

Wenn sich dieses Instrument als erfolgreich erweist, würde es zweifellos enorme Vorteile in Bezug auf die Verbreitung von vektorassoziierten Krankheiten bringen. Krankheiten gehen zurück, weil die übertragenden Stechmücken in der Natur in der Anzahl abnehmen, wenn man die Ansteckungskette unterbricht. Die Risiken, die bei dieser Art von Instrument zu bewerten sind, betreffen die Umweltsicherheit, die Artenvielfalt und die Gesundheit von Mensch und Tier.

Eines der wichtigsten Unternehmen, das sich mit der Herstellung dieser Transgene beschäftigt, ist die britische Biotechnologie-Firma Oxitec. Einige englischsprachige Studien, die unter anderem in Panama, Brasilien und auf den Kaimaninseln durchgeführt wurden, haben ergeben, dass GVO keine nennenswerten Auswirkungen auf Menschen, die Umwelt, andere Mückenarten oder sogar auf Raubtiere haben. Außerdem zeigen sie einen Rückgang der Wildpopulationen dieser Insekten.

Die Forschung ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Die WHO befürwortet die Notwendigkeit einer schrittweisen Evaluierung unter Beteiligung der Bevölkerung, um Sicherheit, Qualität und Wirksamkeit zu gewährleisten.

Schlussfolgerungen

A mosquito.

Angesichts der weltweiten Verbreitung von durch Vektoren übertragenen Krankheiten hat die WHO erklärt, dass es dringend notwendig ist, Instrumente zu entwickeln und zu testen, die zu ihrer Bekämpfung und Ausrottung beitragen. Eine der Technologien, die in den letzten Jahren eingesetzt wurden, ist die Verwendung von gentechnisch veränderten Mücken. Deshalb hat die WHO betont, wie wichtig es ist, sie schrittweise zu testen.

Diese Vision muss die verschiedenen Gemeinschaften, einschließlich der indigenen Bevölkerung, mit einbeziehen. Nach den jahrelangen erfolglosen Kämpfen mit verschiedenen Methoden bei dieser kolossalen Aufgabe sollten wir die Skepsis beiseiteschieben und einen objektiven Blick auf die bestehenden Optionen werfen. Vorausgesetzt natürlich, dass die Ergebnisse die Wirksamkeit, Gesundheit und Sicherheit von Menschen, Tieren und Ökosystemen gewährleisten.

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