Wissenswertes über den Riesenotter

28. April 2019
Der Riesenotter ist ein faszinierendes Tier, das sich seinen Artgenossen gegenüber sehr freundlich verhält. Raubtieren zeigt er jedoch seine aggressive Seite. Aufgrund von illegaler Jagd und Verlust seines Lebensraumes ist er vom Aussterben bedroht.

Der Riesenotter ist ein fleischfressendes Säugetier, das zu der Familie der Mustelidae gehört und hauptsächlich im Amazonas-Regenwald lebt. Sein wissenschaftlicher Name ist Pteronura brasiliensis und er ist die einzige Art seiner Gattung. Man kennt noch zwei weitere Subspezies, die sich P. b. brasiliensis und P. b. paraguensis nennen.

Diese Marderart hat auch die Spitznamen Flusswolf oder Wasserhund. In Brasilien, Paraguay, Argentinien und Uruguay gibt man ihnen andere, regionale Namen.

Der Gattungsname Pteronura stammt vom altgriechischen Wort ‚pteron‘ (Feder oder Flügel) und ‚ura‘ (Schwanz). Das weist auf die typische Form seines Schwanzes hin, die etwas einem Flügel ähnelt.

Der Riesenotter: Verbreitung und Lebensraum

Die Unterart P. b. brasiliensis ist im Norden Südamerikas verbreitet, zwischen den Flussbecken des Orinoco und des Amazonas. Die Unterart P. b. paraguensis bewohnt jedoch den südlichen Teil des Kontinents und lebt in Teilen Paraguays, Uruguays, Südbrasiliens und Nordargentiniens.

Der Riesenotter lebt in Süßwasserflüssen und -bächen, die jahreszeitlich bedingt überschwemmen. Man findet ihn auch in Süßwasserquellen und -seen. Zwei Faktoren wurden bezüglich der Wahl ihres Lebensraumes identifiziert:

  • Die Menge von Nahrung, die von flachen Gewässern und flach abfallenden Flussufern abhängen.
  • Reichlich Vegetation, die den Tieren direkten Zugang auf ihre beliebtesten Jagdgebiete bietet.

Seitlich der Flüsse bauen sie ihre Bauten, worin sie sich einen Großteil des Tages verstecken. Die Riesenotter räumen Teile der Vegetation, um ihre Siedlungen zu bauen. Diese Flächen können bis zu 28 m lang und 15 m breit sein. Ihr Revier markieren sie dann mittels Duftdrüsen, Urin und Kot.

Lebensraum des Riesenotters

Körperliche Eigenschaften des Riesenotters

Er ist zwar die größte der Marderarten, aber nicht die schwerste. Ausgewachsene Männchen sind zwischen 1,5 und 1,8 m lang und wiegen zwischen 32 und 45 kg. Die Weibchen hingegen sind zwischen 1,5 und 1,7 m lang und wiegen zwischen 22 und 26 kg.

Der Riesenotter hat das kürzeste Fell aller Otterarten und es ist hell- bis dunkelbraun, je nach Körperstelle. Einige sind allerdings auch rötlich oder dunkelblond gefärbt.

Das Fell ist extrem dicht, damit nur die oberste Schicht nass wird, während das Unterfell auch im Wasser trocken bleibt. Die Oberschicht ist etwa 8 mm dicht, das ist etwa das doppelte der Dichte der Unterschicht.

Auf dem Hals haben sie außerdem einen creme- bis weißfarbigen Flecken, der bei jedem Exemplar eine ganz individuelle Form hat. 

Die Schnauze ist recht kurz, weshalb sein Gesicht eine ovale Form annimmt. Die Ohren sind hingegen klein und abgerundet.

Der Riesenotter hat sehr sensible Schnurrhaare, mit denen er selbst die kleinsten Veränderungen von Wasserdruck und -strom wahrnimmt. Das erlaubt es ihm auch, seine Beutetiere zu finden.

Seine Gliedmaßen sind dick und enden in breiten Pfoten mit scharfen Krallen.

Zwischen den Pfoten hat er Schwimmhäute, die er zum Schwimmen, Lenken und Anstoßen im Wasser verwendet. Möchte er ein wenig schneller im Wasser vorankommen, so verwendet er seinen Schwanz dafür.

Diese Tiere sind sehr gut an das Leben im Wasser angepasst. Das geht soweit, dass sie sogar Ohren und Nase verschließen können, während sie tauchen.

Riesenotter sind nur tagsüber aktiv. Ihre Sicht ist hervorragend und sie benutzen sie, um Beutetiere zu sichten und sich gleichzeitig vor möglichen Raubtieren zu schützen.

Das ist einzigartig, denn die anderen Otterarten haben entweder eine normale Sicht oder sind etwas kurzsichtig, sowohl an Land als auch im Wasser. Auch sein Gehör und sein Geruchssinn sind sehr gut entwickelt.

Der Riesenotter und sein Verhalten

Der Riesenotter ist ein sehr soziales Tier und lebt in großen Familiengruppen, die oft aus 3 bis 6 Mitgliedern bestehen, aber auch bis zu 20 erreichen können.

Diese Gruppen sind stark miteinander verbunden, da sie zusammen schlafen, spielen, reisen und fressen.

Verhalten des Riesenotters

Man hat jedoch auch Aggressivität unter den Artgenossen dieser Spezies festgestellt. Die Familienmitglieder wehren sich gemeinsam gegen Eindringlinge. Normalerweise sind die Männchen für die Abwehr verantwortlich, doch es hat auch Fälle gegeben, bei denen die Alpha-Weibchen die Wacht gehalten haben.

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Ernährung des Riesenotters

Es handelt sich hierbei um ein Raubtier, das sich hauptsächlich von Fisch ernährt. Meistens fängt der Riesenotter mittelgroße Fische, die sich in flachen Gewässern tummeln.

Doch er passt sich ebenfalls an, weshalb er die Fischarten fängt, von denen es am meisten in seinem Umfeld gibt. Findet er gerade keine Fische, dann greift er auch zu Krabben und Schlangen.

Riesenotter können allein, in Pärchen oder in Gruppen jagen. Manchmal koordinieren die Tiere ihre Jagd, wenn ein einzelnes Exemplar die Beute nicht in den Griff kriegt, wie es bei Anacondas oder Kaimanen geschehen kann.

Riesenotter bei der Jagd

Der Riesenotter ist unter Wasser sehr beweglich, weshalb er seine Beute von oben oder von unten angreifen kann und sie in seinem Schlund festhält. Ist die Beute erst einmal gefangen, so beginnt er sofort damit, sie zu verschlingen.

Er beginnt mit dem Kopf, während er den Rest der Beute fest mit seinen Vorderpfoten festhält. Die Tiere fressen für gewöhnlich 10% ihres Körpergewichts pro Tag, das sind etwa 3 kg.

Wie pflanzt sich der Riesenotter fort?

Die Weibchen gebären ihre Jungen während der Trockenzeit. Der Brunstzyklus dauert etwa 21 Tage und die Weibchen sind zwischen dem dritten und zehnten Tag sexuell aktiv. Diese Tierart wählt ihren Partner für eine lange Zeit.

Die Weibchen sind nach der Paarung für 65 bis 70 Tage träge und gebären durchschnittlich zwei Junge. Die Zahl kann allerdings zwischen 1 und 5 schwanken. Zwischen den Geburten vergehen normalerweise etwa 21 bis 33 Monate.

Die Geburt findet in Bauten statt, die schon zuvor errichtet wurden und von der Familiengruppe geschützt sind. Diese befinden sich für gewöhnlich in der Nähe von Flussufern oder Stellen, die in der Nähe der Jagdgebiete liegen.

Bei der Geburt sind die Jungen blind und haben ein dichtes Fell, das sie beschützt. Die Männchen beteiligen sich bei der Aufzucht und zeigen damit, wie stark die Familienbande sind. Auch die älteren Geschwister helfen ein wenig bei der Aufzucht mit.

Fortpflanzung des Riesenotters

Vier Wochen nach der Geburt öffnen die Jungen ihre Augen, nach 5 Wochen beginnen sie zu laufen und ab der 15. Lebenswoche können sie schon richtig schwimmen. Nach 9 Monaten werden sie abgestillt und beginnen kurz darauf, ganz alleine zu jagen.

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Schutz des Riesenotters

Die internationale Union für Naturschutz (UICN) katalogisiert den Riesenotter seit 1999 als eine vom Aussterben bedrohte Spezies. Er galt jedoch schon seit 1982 als eine bedrohte Art.

Der Handel mit den Tieren und ihren Produkten ist international illegal, doch nur schwer kann man den Bevölkerungsstand dieser Spezies einschätzen. Eine Studie der UICN, die im Jahr 2006 durchgeführt wurde, ergab, dass es zwischen 1.000 und 5.000 Exemplare gibt.

Laut der roten Liste der UICN ist die Zahl der Riesenotter in Argentinien und Uruguay ungewiss. In der argentinischen Provinz Misiones erklärte man ihn 1996 zum Naturmonument.

Aufgrund der Jagd nach ihrem schönen Fell, die besonders stark in den 50er und 60er Jahren stattfand, hat sich die Bevölkerung stark vermindert. Heutzutage ist der Verlust seines Lebensraumes die größte Bedrohung für den Riesenotter. 

Da der Riesenotter recht große Fische jagte, kam es auch zu Konflikten mit eingeborenen und kommerziellen Fischern, die diese Spezies für eine Konkurrenz halten. Außerdem stellt auch der Ökotourismus eine Bedrohung für diese Tierart dar.

  1. Duplaix, N. (1980). “Observations on the ecology and behavior of the giant river otter Pteronura brasiliensis in Suriname”. Revue d’Ecologie (Terre Vie), N° 34: 495-620.
  2. Carter, S.K. y  Rosas, F.C.W. (1998). “Biology and conservation of Giant Otter (Pteronura brasiliensis)”. Mammal review, XXVII-1: 1-26.