Was ist eine Tiergeneration? Die Auswirkungen von Inzucht

Welche Auswirkungen hat eine neue Tiergeneration auf eine Population? Und kann Inzucht in jeder Generation eine Spezies beeinflussen?
Was ist eine Tiergeneration? Die Auswirkungen von Inzucht

Letzte Aktualisierung: 02. Juli 2021

Es gibt drei Schlüsselfunktionen, die Lebewesen definieren: Ernährung, Beziehungen und Fortpflanzung. Ein lebender Organismus benötigt Nahrung, um sich zu entwickeln und am Leben zu bleiben. Darüber hinaus muss er mit anderen Individuen und mit seiner Umwelt in Kontakt treten und natürlich muss er sich auch fortpflanzen und Nachkommen hervorbringen. Daraus entsteht innerhalb einer Population dann eine neue Tiergeneration. Zu ihr gehören ein oder mehrere Jungtiere, die infolge der Fortpflanzung der Elterntiere geboren werden.

Obwohl dies zunächst ziemlich einfach erscheinen mag, muss sich jede neue Tiergeneration großen Herausforderungen stellen, die sich möglicherweise auch von denen ihrer Eltern unterscheiden.

Daher ist die Genetik, die diese Tiere von ihren Eltern erhalten, welche wiederum von vielen vorhergehenden Generationen stammt, der Schlüssel für ihr Überleben. Möchtest du mehr über die Merkmale und Herausforderungen einer Tiergeneration erfahren? Dann lies einfach weiter!

Dominante Allele und rezessive Allele

Wenn sich zwei Tiere paaren und Nachwuchs zeugen, erwarten wir, dass die Jungtiere jeweils zur Hälfte den genetischen Code der Mutter und des Vaters in sich tragen. Mit anderen Worten, du gehst davon aus, dass sie eine Mischung aus beiden sind. Allerdings lässt sich häufig beobachten, dass die Nachkommen einem der Elternteile ähnlicher sehen als dem anderen. Aber warum passiert das eigentlich?

In der DNA finden sich dominante Allele und rezessive Allele. Diese Allele sind die verschiedenen Alternativen eines Genes. Infolgedessen kann eine Tiergeneration körperliche Merkmale aufweisen, die nichts mit denen ihrer Eltern gemein haben.

Stelle dir beispielsweise zwei schwarze Kaninchen vor, deren Nachkommen weiß sind. Aber was genau könnte hier passiert sein? Nun, vielleicht ist das Gen, das die schwarze Farbe bei den Kaninchen kodiert, ein dominantes Allel. Wenn die Eltern jeweils ein dominantes Allel und ein rezessives Allel in Bezug auf die Haarfarbe hatten, dann wird sich die Farbe Schwarz durchsetzen.

Im vorliegenden Beispiel trugen die Gameten (Eizelle und Spermium) bei der Fortpflanzung aber nur das rezessive Allel. Daher konnten die Nachkommen dieser beiden schwarzen Kaninchen nur mit weißem Fell zur Welt kommen.

Tiergeneration - schwarzes und weißes Kaninchen

Jetzt stelle dir vor, dass alle schwarzen Kanincheneltern verschwinden. Aus irgendeinem Grund ging diese genetische Information verloren. Infolgedessen bleiben nur noch weiße Kaninchen übrig. Leider ist aber das weiße Fell nicht die optimalste Farbe, außer die Kaninchen leben im Schnee. Dieses Beispiel zeigt sehr eindrücklich und detailliert auf, wie sich ein genetischer Verlust auf jede Tiergeneration auswirkt.

Tiergeneration, Inzucht und gefährdete Tierarten

Genetische Vielfalt ist der Schlüssel für das Überleben jeder Spezies als solche. Wenn diese Vielfalt bei einer Tierpopulation abnimmt, erhöht sich das Risiko, dass diese Art verschwinden wird.

Die Anzahl der Allele, die in einer Population vorhanden sind, ist ein Maß für die genetische Vielfalt. Denn je mehr Allele verfügbar sind, desto größer ist die genetische Diversität

Darüber hinaus ist auch die Häufigkeit, mit der diese Allele in einer Population produziert werden, ein weiterer Einflussfaktor für ihre genetische Vielfalt. Denn kleine spontane Mutationen können im Laufe der Zeit die Vielfalt der Allele erhöhen.

Mit jeder neuen Tiergeneration kann sich diese genetische Vielfalt vergrößern. Wenn dies in Bezug auf die Evolutionszeit extrapoliert wird, findet sich hier einer der Gründe dafür, warum neue Spezies auf dem Planeten entstehen.

Ursachen von Inzucht

Einer der Gründe, warum Tiere in die Liste der gefährdeten Arten aufgenommen werden, ist Inzucht. Allerdings sind Abholzung, die Zerstörung ihres Lebensraums, Fragmentierung oder unkontrollierte Jagd auf diese Tiere, die zu einer Isolation der Populationen führen, die eigentlichen Gründe für diese Tatsache. Daher ist Inzucht vielmehr eine Folge dieser Faktoren.

Es gibt zwei Arten von Inzucht; eine ist zufällig und unbeabsichtigt, die andere hingegen ist beabsichtigt. Im ersten Fall führt die absichtliche Paarung eng verwandter Tiere wie Geschwister oder Eltern und Kinder zu einem drastischen Verlust der genetischen Vielfalt. Gleichzeitig treten genetisch bedingte Erkrankungen oder eine geringere Resistenz gegen Krankheitserreger auf.

Diese Art von Inzucht tritt bei Wildtieren auf, wenn sich die Anzahl der Individuen einer Population aufgrund einer erheblichen Einschränkung des verfügbaren Lebensraumes reduziert hat. Ebenso tritt sie bei den Tieren auf, die infolge einer Habitatfragmentierung isoliert wurden. Diese Populationen werden im Laufe der Zeit aussterben.

Andererseits findet sich zufällige Inzucht als Folge eines Gendrifts. Genetische Drift ist ein evolutionärer Faktor, der im Laufe der Evolutionszeit zusammen mit der natürlichen Selektion Änderungen in der Häufigkeit der Allele verursacht.

Wenn eine Spezies eine niedrige Allelfrequenz hat und alle ihre Allele für ein Gen gleich sind, kann jede Störung in der Umwelt dazu führen, dass diese Art ausstirbt. Aus diesem Grund verschwinden einige Arten schneller als andere, wenn Menschen einen Aspekt ihres Ökosystems zerstören.

Strategien zur Vermeidung von Inzucht innerhalb einer Tiergeneration

In der Natur hat jede Art in ausgewogenen Ökosystemen ihre eigenen Strategien, um Inzucht zu vermeiden und so die genetische Vielfalt in jeder Generation zu erhöhen.

Bei einigen Tierarten wie beispielsweise den Löwen gibt es eine matrilineare Hierarchie. Das bedeutet, dass die weiblichen Tiere jeder Generation normalerweise in der Gruppe verbleiben, während die Männchen die Gruppe verlassen müssen.

Hin und wieder kommt ein neues Männchen und tötet alle Jungtiere, um zu erreichen, dass die Weibchen wieder empfängnisbereit werden. Obwohl sich dies sehr grausam anhören mag, sorgt genau dieses Verhalten dafür, dass die Population neue genetische Informationen bekommt, die zur Stärkung der Spezies führen.

In anderen Fällen liegt der Schlüssel zur Vermeidung von Inzucht darin, dass sich die Jungtiere von ihren Eltern entfernen und neue Paare mit anderen Populationen bilden. Große Migrationen sind ein weiteres gutes Beispiel für dispersive Bewegungen in der Masse und über große Entfernungen hinweg.

Am Ende werden sich große Gruppen von Individuen – die sich genetisch stark voneinander unterscheiden – versammeln, um einen Partner zu finden und sich zu vermehren.

Tiergeneration - DNA

Die Zerstörung des natürlichen Lebensraumes der Tiere führt zu einer Reduzierung der Territorien, in denen sich viele Spezies ansiedeln können. Darüber hinaus haben sie praktisch keine Möglichkeit mehr, neue Siedlungsorte zu finden und so eine neue Generation genetisch vielfältiger Tiere zu schaffen.

Allerdings ist das Aussterben einer Spezies nicht das Resultat einer einzigen Ursache. Es ist letztendlich nicht die unkontrollierte Jagd, die eine Art ausrottet. Vielmehr ist der Grund das Fehlen eines geeigneten Lebensraums. Infolgedessen müssen sich die Tiere dann mit eng verwandten Artgenossen paaren. Und dies wiederum führt dazu, dass eine Spezies ausstirbt.

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