Bedrohte Primatenarten der Welt

Eines der herausragendsten Merkmale der Natur ist die große Artenvielfalt, was Fauna und Flora angeht. Viele Arten sind jedoch stark bedroht.
Bedrohte Primatenarten der Welt

Letzte Aktualisierung: 10. Mai 2022

Eine Schlagzeile, die man unschwer in jeder Zeitung oder Zeitschrift lesen kann, lautet wie folgt: “Ein großer Teil der Primaten auf der Welt ist vom Aussterben bedroht”. Diese Nachricht ist nicht neu, und leider wird die Zahl der bedrohten Primaten, die davon betroffen sind, immer größer: Von großen Primaten wie Gorillas und Schimpansen bis hin zu kleineren wie Koboldmakis oder Lemuren.

Es wird geschätzt, dass 60 % der Primatenarten inzwischen vom Aussterben bedroht sind. Die Hauptursache dafür sind Eingriffe des Menschen in ihren Lebensraum sowie die illegale Jagd und der illegale Handel.

Gefährdete Primatenarten der Welt

Die Anzahl der gefährdeten Primatenarten liegt derzeit bei 512. Englischsprachige Studien wie die von Alejandro Estrada und Mitarbeitern haben ergeben, dass die weltweiten Populationen durch verschiedene menschliche Eingriffe stark beeinträchtigt wurden.

Nicht nur sind 60 % der Primatenarten ernsthaft gefährdet – zusätzlich befinden sich rund 75 % im Rückgang. Zu den menschlichen Handlungen, die für diese Situation verantwortlich sind, gehören die folgenden:

  • Illegaler Handel und Jagd: Leider führt der Fang dieser Tiere zur privaten Unterhaltung, als Haustiere oder für die Pelzindustrie zum Rückgang der Populationen.
  • Abholzung der Wälder.
  • Ölförderung.
  • Verlust von Lebensraum: Die Ausdehnung von Ackerland, aber auch der Bau von Häusern oder die Beweidung haben einen negativen Einfluss, da sie den Lebensraum für diese Arten verringern.

Die Studie befasst sich mit den Lebensräumen von Primaten auf dem afrikanischen Kontinent, in süd- und südostasiatischen Ländern sowie in einigen Ländern mit tropischem Klima. Den Autoren zufolge haben Länder, die Primatenarten beherbergen, ein viel niedrigeres BIP (Bruttoinlandsprodukt) und eine viel geringere Lebensmittelsicherheit als die wichtigsten Import- und Exportländer.

Ökologisierung des Handels

Die meisten dieser Länder haben unter anderem mit der Ausweitung ihrer Anbauflächen und der Landwirtschaft reagiert. Dies hat sich negativ auf die einheimischen Populationen dieser Länder ausgewirkt. Deshalb schlagen die Autoren eine Umstrukturierung der Umweltmodelle der Länder vor. Zu diesem Zweck verwenden sie den Begriff “Greening”, der in etwa einer Ökologisierung entspricht und sich auf globale Vorschläge bezieht, so zum Beispiel:

  1. Eine Ernährung mit geringem Fleischkonsum. Das würde den Bedarf an landwirtschaftlichen Flächen verringern.
  2. Geringerer Verbrauch von Ölsaaten.
  3. Geringere Verwendung von Holz, fossilen Brennstoffen, Metallen oder Edelsteinen aus den Tropen.
  4. Gemeinsames Handeln zur Förderung des Handels mit Preisen, die für alle gesellschaftlichen Gruppen zugänglich sind.
  5. Erhalt der Natur und der darin lebenden Arten.

Im Grunde lassen diese fünf Punkte sich damit zusammenfassen, den Verbrauch unnötiger Produkte zu reduzieren und so den Lebensraum der Primaten zu schützen. Durch die Verringerung des Platzbedarfs könnten die Tiere in ihren Lebensräumen ohne Druck durch menschliches Handeln überleben.

Beispiele für gefährdete Primaten in der Welt

Im Folgenden sind einige Beispiele für Primatenarten aufgeführt, die in naher Zukunft aussterben werden, wenn die Situation, in der sie sich befinden, sich nicht ändert. Wir erläutern kurz die Situation von drei der 84 Arten, die auf der Roten Liste der IUCN (International Union for Conservation of Nature) für kritisch bedrohte Arten stehen.

Gorilla gorilla

Diese Primaten sind in den Regionen Kongo und Gabun beheimatet. Die Populationen der Menschenaffen haben in den letzten Jahren einen erheblichen Verlust an Exemplaren erlitten. Einige Hauptgründe für die Gefährdung des Westlichen Gorillas reichen von der Beeinträchtigung seines Lebensraums und dem Bau von Straßen, die durch den Wald führen, bis hin zu ökologischen Problemen (Umweltverschmutzung) und biologischen Problemen (durch Viren oder Prionen verursachte Krankheiten).

Die Regierungen der betroffenen Länder haben allerdings verschiedene Artenschutzpläne vorgelegt. Diese beinhalten den Schutz des Lebensraums, die Überwachung und Beobachtung der Populationen sowie Investitionen in die Bildung. Letzteres ist wichtig, denn wenn die Menschen die Folgen des Verlustes dieser und anderer Arten nicht verstehen, können sie auch nichts dagegen tun.

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A gorilla.

Pongo abelii

Ein weiterer vom Aussterben bedrohter Primat ist der Sumatra-Orang-Utan, der den wissenschaftlichen Namen Pongo abelii trägt. Leider ist auch seine Population rückläufig.

Wie sein Verwandter, der Gorilla, lebt auch er in Wäldern – in diesem Fall aber auf Sumatra in Asien. Die Art ist in Wiederaufbauplänen für Wildtiere enthalten. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehört die Wiederansiedlung der Tiere in Lebensräumen, in denen sie zuvor nicht vertreten waren.

Tarsius tumpara

Obwohl sie nicht so bekannt ist wie die beiden vorhergehenden Arten, befindet sich der Siau-Koboldmaki in der gleichen Situation wie der Gorilla und der Orang-Utan. Außerdem ist diese kleine Art als Haustier begehrt, was die Gefährdung der Tiere stark erhöht hat.

Nach der Analyse dieser drei Arten haben wir eine kurze Suche bei der IUCN durchgeführt. Wir wollten herausfinden, wie viele Primatenarten insgesamt in die Kategorien „vom Aussterben bedroht“ und „gefährdet“ eingestuft sind. Die Zahlen sind erschreckend: 140 Arten sind vom Aussterben bedroht und 115 Arten sind gefährdet.

Obwohl einige Populationen stabil bleiben – wie die des Hainan-Schopfgibbons (Nomascus hainanus), oder sogar wachsen, wie die des Hellköpfigen Schwarzlangurs (Trachypithecus poliocephalus) – verzeichnet die überwiegende Mehrheit einen Verlust an Populationen.

Bedrohte Primatenarten der Welt
Hellköpfige Schwarzlangure

Wenn wir die Arten der drei Kategorien zusammenzählen, kommen wir auf insgesamt 339 Arten. Zusätzlich wurden die als ausgestorben eingestuften Arten Jamaika-Affa (Xenothrix mcgregori) und Großer Faultier-Lemur (Palaeopropithecus ingens) nachgewiesen. Wir brauchen dringend ein kollektives Bewusstsein und einen Handlungsplan, um das Verschwinden weiterer Primatenarten aufzuhalten.

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