Finde heraus, wie Schnabeltiere auf die Welt kommen

Schnabeltiere sind außergewöhnliche Kreaturen, deren Balzzeit bis zu einem Monat dauern kann. Dabei gibt es keinen körperlichen Kontakt, bis das Weibchen zur Paarung bereit ist.
Finde heraus, wie Schnabeltiere auf die Welt kommen

Letzte Aktualisierung: 19. November 2021

Schnabeltiere sind für ihr seltsames Aussehen bekannt. Mit ihrer schnabelähnlichen Schnauze, den Otterbeinen, dem Biberschwanz und einigen reptilienähnlichen Merkmalen sehen sie wie eine bunte Mixtur aus anderen Tieren aus. Wenn du bis jetzt noch nicht viel weißt, wie es mit der Biologie der Schnabeltiere aussieht, dann wird dich interessieren, wie Schnabeltiere auf die Welt kommen.

Diese in Australien und Tasmanien beheimateten Tiere gehören zur Ordnung der Kloakentiere (Monotremata), genauso wie vier weitere sehr rätselhafte Arten von Ursäugern. Ihr wissenschaftlicher Name ist Ornithorhynchus anatinus und im folgenden Artikel erzählen wir dir alles über ihre Fortpflanzung und Geburt. Nicht verpassen!

Wie sehen Schnabeltiere aus?

Ein Schnabeltier ist ein erstaunliches Tier und sieht wie eine Kreuzung aus Ente, Biber und Otter aus. Das liegt an seiner breiten, flachen, glatten Schnauze, dem Schwimmschwanz und den Schwimmhäuten an den Füßen. Es hat keine Zähne, sondern Keratinplatten im Maul.

Das Schnabeltier ist ein hervorragender Schwimmer und benutzt seinen Schwanz, um durch das Wasser zu manövrieren. Auch die Schwimmhäute zwischen seinen Zehen tragen zu dieser Fähigkeit bei. Es kann sich aber auch an Land fortbewegen und hat starke Krallen, mit denen es im Boden graben kann.

Lies dazu auch folgenden Artikel: Australien, das Land der Beuteltiere

Dieses Säugetier hat einen mit Fell bedeckten Körper, der es vor Kälte schützt und im Wasser für die nötige Isolierung sorgt. Die Fellfarbe ist dunkelbraun, aber im Bauchbereich etwas heller. Die Größe des Schnabeltiers ist bei Männchen und Weibchen unterschiedlich. Das männliche Tier ist in der Regel größer und schwerer, mit einer ungefähren Größe von 50 Zentimetern, das Weibchen misst etwa 43 Zentimeter.

Ein auffälliges Merkmal des männlichen Schnabeltiers ist die Fähigkeit, Gift zu produzieren, das es durch Hornstachel am Fersenbein injiziert. Diese Substanz kann kleine Tiere töten, aber über die Wirkung auf den Menschen muss man sich keine Sorgen machen. Das Schnabeltiergift ist nicht tödlich, kann aber erhebliche Schmerzen verursachen.

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Wie pflanzen sich Schnabeltiere fort?

Bevor wir darauf eingehen, wie Schnabeltiere auf die Welt kommen, sollten wir ihre Fortpflanzungsmerkmale klären. Diese Tiere haben eine ovipare Fortpflanzungsweise, genau wie die anderen vier Monotremata. Das ist ein interessanter Aspekt, der bei anderen Säugetieren nicht zu finden ist.

Schnabeltiere sind nachtaktiv und schwer fassbar. Über ihr Fortpflanzungsverhalten in freier Wildbahn ist nur wenig bekannt. Die meisten Informationen stammen von Tieren in Gefangenschaft.

Diese Kloakentiere sind polygyn, das heißt, dass sich die Männchen während der Fortpflanzungsphase mit mehreren Weibchen paaren. Es gibt nur einen Paarungszyklus pro Jahr.

Balz und Kopulation

Die Balz der Schnabeltiere findet im Wasser statt und kann bis zu einem Monat dauern. Sie beinhaltet eine „Balzphase“, in der die Tiere keinen Kontakt haben. Das Männchen versucht, das Weibchen zu erobern, indem es ihr wochenlang folgt, wobei das männliche Tier bis zu einem Viertel an Körpergewicht verliert.

Das Ausweichverhalten der Weibchen nimmt vielfältige Züge an. Zu ihnen gehören die Flucht, der Widerstand und das Vermeiden von männlichen Tieren. So schützen sie sich vor dem Fortpflanzungsdrang des Männchens, solange sie noch nicht zur Paarung bereit sind.

Die Männchen produzieren in dieser Phase einen intensiven und eigentümlichen Geruch. Sie verhalten sich dominant gegenüber den Weibchen, bedrängen sie und schüchtern sie ein, um sie dazu zu bringen, auf eine mögliche Paarung einzugehen.

Die Weibchen kontrollieren den Großteil des Fortpflanzungsprozesses, da sie entscheiden, wann und wo er beginnt und wie lange er dauert. Auf diese Weise versuchen sie, das Risiko zu verringern, das das Verhalten der Männchen hervorruft.

Wenn das Weibchen zur Paarung bereit ist, lässt es zu, dass das Männchen in seinen Schwanz beißt, und gemeinsam führen sie anschließend einen Tanz auf, während sie – häufig tagelang – im Wasser kreisen. Dann erfolgt die Befruchtung, indem das Männchen das Weibchen erklimmt und seinen Penis in die Kloake des Weibchens einführt.

Eine der Kuriositäten bei der Fortpflanzung von Schnabeltieren ist, dass sich die Männchen während der Fortpflanzungszeit um die Weibchen balgen. Bei diesen Kämpfen setzen die Konkurrenten ihre giftigen Hornstachel als Waffen ein.

Zu diesem Thema ist folgender Artikel lesenswert: Schnabeltiergift: Alles Wissenswerte!

Trächtigkeit oder Brutzeit?

Nach der Kopulation übernimmt das Weibchen den Bau einer Höhle, die als Nistplatz dienen soll. Erstaunlicherweise sind Monotremata die einzigen Säugetiere, die keine lebenden Jungen zur Welt bringen, sondern Eier legen.

Die Trächtigkeit (in der Gebärmutter) dauert 15 bis 21 Tage. Nachdem die Eier in den Bau gelegt wurden, brütet das Weibchen sie 10 bis 11 Tage aus.

Der Bau wird über dem Meeresspiegel an den Ufern von Flüssen oder Bächen gebaut. Er besteht aus mehreren engen Tunneln, die in einer Hauptbrutkammer enden. Die Größe der Höhle ist variabel und kann von 3 Metern bis zu mehr als 10 Metern Länge reichen. Als Baumaterial dienen nasse und abgestorbene Blätter, die die Weibchen mithilfe ihres Schwanzes transportieren.

Wie schlüpfen die Schnabeltiere?

Ornithorhynchus anatinus schlüpft aus kleinen, runden Eiern mit einem Durchmesser von etwa 11 Millimetern. Die Anzahl der Jungtiere liegt zwischen einem und drei Stück.

Diese neugeborenen Schnabeltiere sind sehr fragil und wehrlos, sodass sie die Fürsorge der Mutter brauchen, um zu überleben. Außerdem sind sie blind, unbehaart und haben eine dünne rosafarbene Haut als auch Zähne (die aber während der Entwicklung verloren gehen).

Die Mutter säugt die Jungen mit ihrer Milch. Erstaunlicherweise hat sie aber keine Brustwarzen. Deshalb wird die Nahrung dank spezieller Drüsen durch die Poren der Haut abgegeben. Die kleinen Schnabeltiere werden auf diese Weise etwa 3 bis 4 Monate lang ernährt.

Nach dieser Zeit haben sich die kleinen Schnabeltiere bereits so weit entwickelt, dass sie den Bau verlassen und selbständig werden können.

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Monotremata sind Säugetiere mit einzigartigen Eigenschaften. Vor allem Ornithorhynchus anatinus hat ein beeindruckendes Aussehen und ein ebenso auffälliges Fortpflanzungsverhalten. Die Art, wie Schnabeltiere aus Eiern schlüpfen – fragil, hilflos, haarlos und blind – ist ein erstaunlicher Start ins Leben für ein ganz besonderes Tier.

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