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Das einzigartige Sehvermögen der Fangschreckenkrebse

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Das Sehvermögen hat sich bei allen Lebewesen unterschiedlich entwickelt. Bei den Fangschreckenkrebsen ist es besonders ausgefallen. Das Geheimnis darum konnten Wissenschaftler:innen bisher noch nicht vollständig lüften.
Das einzigartige Sehvermögen der Fangschreckenkrebse
Letzte Aktualisierung: 10. April 2023

Das Sehvermögen spielt bei Tieren eine grundlegende Rolle. In den meisten Fällen kann das Sehvermögen über das Überleben entscheiden. Allerdings hat sich der Sehsinn nicht bei allen Arten auf die gleiche Weise entwickelt. Die Sehkraft der Fangschreckenkrebse zum Beispiel war ein Rätsel, das Wissenschaftler:innen nach und nach zu lösen versuchten.

In diesem Artikel stellen wir dir die Ergebnisse einer Studie über die merkwürdige Sehkraft der Fangschreckenkrebse vor, die auch als Clown-Fangschreckenkrebse und unter vielen anderen Namen bekannt sind! Entdecke, was das Besondere an der Sehkraft dieses farbenfrohen Raubtiers ist.

Die Fangschreckenkrebse

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Die Fangschreckenkrebse, die unter dem wissenschaftlichen Namen Stomatopoda bekannt sind, haben einen schillernden Vertreter, den Odontodactylus Scyllarus. Es gibt etwa 400 verschiedene Arten dieser wirbellosen Krebstiere auf der Welt. Diese zeichnen sich nicht nur durch ihre Farbe und Fluoreszenz aus, sondern sind auch schnell und kämpferisch. Ihre Klauen ähneln denen der Gottesanbeterinnen.

Diese Raubtiere leben in Höhlen, kommen aber manchmal heraus, um zu jagen. Sie sind sogar in der Lage, doppelt so große Beutetiere zu besiegen. Abgesehen von ihren Klauen haben sie Arme, die dank einer Struktur, in der sie Energie speichern und schnell wieder abgeben, brutale Schläge austeilen können.

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Die Sicht der Gottesanbeterin

Das vielleicht auffälligste Merkmal dieser Meeresschwergewichte ist jedoch ihr Sehsinn. Fangschreckenkrebse haben ein Augenpaar, das sich unabhängig voneinander bewegen kann und stereoskopisch ist.

Die meisten Lebewesen haben zwei bis vier Fotorezeptoren, d. h. spezialisierte Neuronen, die bei der Unterscheidung von Farben helfen, lichtempfindlich sind und sich in der äußeren Netzhaut von Wirbeltieren befinden. Das ungewöhnliche Sehvermögen der Fangschreckenkrebse ist jedoch das einzige, das zwölf Fotorezeptoren oder Farbkanäle hat.

Fangschreckenkrebse unterscheiden Farben schlechter, sind aber schneller

Diese Meerestierart hat eine andere Art der Farbkodierung, und dieser Prozess wurde von einem internationalen Forscherteam entdeckt, das versuchte, die Rätsel um die Sehfähigkeit dieses Tieres zu lösen.

In der Studie, die in der Zeitschrift Science veröffentlicht wurde, wurden Farbunterscheidungstests durchgeführt, indem die Stomatopoden gepaart wurden. Auf diese Weise kam man zu dem Schluss, dass diese Krebse einen einzigartigen Sehsinn haben, der Farben extrem schnell unterscheiden kann, ohne jedoch zwischen den Wellenlängen eines Spektrums zu unterscheiden.

Um das besser zu verstehen, sollte man wissen, dass das Sehvermögen von Menschen und Tieren auf den Grundfarben Rot, Grün und Blau (RGB-System) basiert. Das heißt, Menschen erkennen Farben anhand der Erregungmuster, die sie durch diese drei “Eingänge” erhalten. Die Fangschreckenkrebse hingegen folgen dank ihrer zwölf Fotorezeptoren einem Erregungsmuster über das gesamte Spektrum.

Der Sehsinn der Fangschreckenkrebse gilt als der komplexeste im Tierreich. Dieses Krustentier nutzt ein Sehsystem, das bei anderen Lebewesen noch nicht bekannt ist – es basiert auf zeitlichen Signalen in Kombination mit erkundenden Augenbewegungen. Die Fangschreckenkrebse unterscheiden Farben schlechter, sind aber dabei schneller.

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Ein möglicher Energiesparmodus?

Die Forscher:innen vermuten in dieser Studie, dass diese einfachere Form des Sehens einen Vorteil für die Fangschreckenkrebse darstellen könnte. Da dieses Krustentier ein einfacheres neuronales Netzwerk hat und weniger Energie zur Identifizierung von Farben verbraucht, sind seine Bewegungen schneller.

Das macht die Fangschreckenkrebse zu wendigen Tieren. Zudem könnte diese Energieeinsparung einer der Gründe dafür sein, dass dieses Meerestier so effizient auf Paarungssituationen oder Revierkämpfe reagiert, dass es am Ende sogar gegen größere Lebewesen gewinnt.

Aber das Rätsel ist noch nicht gelöst. Die Wissenschaftler:innen sind sich nicht ganz sicher, wie das außergewöhnliche Sehvermögen der Fangschreckenkrebse funktioniert. Das Einzige, was als sicher gilt, ist, dass sie, wenn sie ein visuelles System wie andere Arten hätten, eine komplexere neuronale Architektur unterhalten und viel mehr Energie aufwenden müssten.

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Abschließende Überlegungen

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Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die zwölf Fotorezeptoren der Fangschreckenkrebse ein einzigartiges Merkmal innerhalb des Tierreichs darstellen. Und diese einfache Form des Sehens trägt dazu bei, dass diese Meerestiere Farben so schnell erkennen, auch wenn sie die Unterscheidung im Detail nicht immer genau treffen.

Wie wir bereits erwähnt haben, gibt es noch viel über den besonderen Sehsinn dieser Tiere zu entdecken. Klar ist jedoch, dass es sich sowohl um ein farbenfrohes Wildtier handelt, als auch um ein Krustentier, das nicht zwischen den Wellenlängen eines Spektrums unterscheiden kann, wie es andere Lebewesen normalerweise tun.


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