Der Klippenadler: Lebensraum und Eigenschaften

Bei Klippenadlern tötet das ältere Küken häufig das jüngere – und dies sogar mit einer Wahrscheinlichkeit von 96 %, wenn zwei Eier gelegt wurden. Möchtest du mehr darüber erfahren?
Der Klippenadler: Lebensraum und Eigenschaften

Letzte Aktualisierung: 12. Oktober 2022

Der Klippenadler (ehemals Kaffernadler) ist eine sehr große Adler-Art, die für ihr schwarzes Gefieder mit weißen Flecken bekannt ist, was bei der Beobachtung des Fluges schön anzusehen ist. Der Klippenadler gehört zur Ordnung der Greifvögel (Accipitriformes), daher glänzt er nicht nur beim Fliegen, sondern ist auch ein ausgezeichneter Jäger. Darüber hinaus ist er ein spezialisierter Vogel, da er sich normalerweise nur von einer Art von Beute ernährt.

In diesem Artikel sprechen wir über den Klippenadler (Aquila verreauxii), einen majestätischen Raubvogel, der wiederum zur Gattung der Echten Adlern (Aquila) gehört. Lies weiter, um zu erfahren, was es mit dem Klippenadler auf sich hat.

Der Lebensraum des Klippenadlers

Dieser Greifvogel ist ein tagaktives Tier, das felsige Gebiete wie Klippen und Berge bewohnt. Aus diesem Grund lebt er an Orten mit weniger als 750 Millimeter Niederschlag pro Jahr. Die geringe Vegetation ermöglicht dem Klippenadler, seine Beute leicht zu jagen.

Die Verbreitung dieser Art ist recht weit gefächert und reicht von der arabischen Halbinsel bis nach Südostafrika. Der Großteil der Population konzentriert sich in den Bergen Äthiopiens und im Hochland von Tschad, Simbabwe und Südafrika.

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Körperliche Eigenschaften

Aufgrund seiner Form wird der Klippenadler mit einer Körperlänge von bis zu 96 Zentimetern als der „mächtigste“ Adler der Gattung Aquila bezeichnet. Diese Adlerart kann je nach Geschlecht zwischen 3 und 7 Kilogramm wiegen und eine Flügelspannweite von 2,80 Meter aufweisen.

Der Klippenadler wird aufgrund seiner befiederten Fänge zusammen mit zehn anderen Arten (wie zum Beispiel dem Steinadler) zur Gattung Echte Adler gerechnet. Außerdem haben Klippenadler charakteristische Schnäbel und Krallen, die ziemlich scharf sind und dazu dienen, die Nahrung zu zerreißen. Schnabel und Krallen folgen dem gleichen Farbmuster – Gelbtöne in den meisten Bereichen mit schwarzen Ausläufern.

Bei erwachsenen Vögel ist das Gefieder komplett schwarz, mit Ausnahme einiger weißer Bereiche an Schwanz und Rücken. Die Jungen tragen eine Mischung aus braunen und weißen Federn in unterschiedlichen Farbabstufungen und Mustern, wodurch sie auch unterschieden werden können. Das schwarze Erwachsenenkleid des Klippenadlers stellt eigentlich eine Mischung aus sehr dunklen Brauntönen dar.

Klippenadler: Lebensraum und Eigenschaften
Klippenadler schlagen ihre Beute am Boden.

Wovon ernährt sich der Klippenadler?

Diese Art hat bei ihrer Beute reichlich Auswahl, da sie sich von Klippschliefern (Procavia capensis) und Busch- oder Steppenschliefern (Heterohyrax brucei) ernährt. Dies kann daran liegen, dass das murmeltierartige Tier in der Region das häufigste Beutetier ist. Untersuchungen an der Universität von Kapstadt ergaben, dass der Adler seine Ernährung durchaus ohne nachteilige Auswirkungen verändern kann.

Schlussendlich ist dieser Greifvogel ein opportunistischer Jäger; er wählt aus der verfügbaren Beute aus. Obwohl er am liebsten Schliefer jagt, kann er auch einige der folgenden Lebewesen als Beutetier in Betracht ziehen:

  • Kleine Säugetiere wie Hasen, Primaten oder Ginsterkatzen.
  • Vögel: Perlhühner, Tauben oder Kapgeier.
  • Reptilien (in seltenen Fällen): Dazu gehören Eidechsen, Vipern oder Kap-Kobras.

Jagdmethoden

Ein opportunistischer Jäger ist jederzeit wachsam, damit er bei Bedarf angreifen kann. Dazu führen Klippenadler plötzliche vertikale Sturzflüge aus, mit denen sie ihre Opfer überraschen und auf der Stelle töten. Obwohl die meisten dieser Beutetiere klein sind und sich transportieren lassen, beginnen die Adler manchmal, die Beute auseinander zu reißen, um die Einzelteile zu ihren Horsten zu tragen.

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Wie pflanzt sich der Klippenadler fort?

Klippenadler leben monogam und sind ortstreu. Daher verbringen sie die meiste Zeit ihres Lebens an einem Ort – es sei denn, es besteht die dringende Notwendigkeit, den Horst zu verlassen. Außerdem sind ihre Reviere nicht allzu groß, sodass man in einer Region mehrere benachbarte Paare ausmachen kann.

Balz

Um einen Partner zu finden, führen diese Vögel ein Balzritual durch, bei dem sie komplexe Flugmuster ausführen. Die Männchen versuchen, die Aufmerksamkeit eines Weibchens zu erregen, indem sie Laute ausstoßen und ihr Gefieder präsentieren.

Sobald ein Paar sich gefunden hat, wählt es sein Territorium aus und beginnt, den Horst zu errichten. Dabei nutzt es die höchsten Bereiche, die es finden kann. Aus diesem Grund lebt das Paar normalerweise in Klippennähe, da dieser Bereich für Raubtiere unzugänglich sind. Darüber hinaus gibt es keine bestimmte Jahreszeit für die Eiablage, da sich dies mit jedem Gebiet ändert, in dem der Greifvogel lebt.

Gelege und Schlüpfen der Küken

Im Allgemeinen legt dieser Greifvogel bis zu zwei Eiern, aus denen nach ungefähr 45 Tage die Küken schlüpfen. Beide Elternteile bebrüten das Gelege, wobei das Weibchen die meiste Zeit auf den Eiern verbringt. Daher versorgt das Männchen das Weibchen bis zum Schlüpfen der Küken mit Nahrung.

Diese Art zeigt ein augenscheinlich „makabres“ Verhalten, bei dem das ältere Küken in wenigen Tagen das jüngere tötet (Kainismus), indem das jüngere Geschwister immer wieder abgedrängt und attackiert wird. Indem ein Küken das andere tötet, wird das Überleben von mindestens einem Jungvogel gesichert. Bei Klippenadlern hat man beobachtet, dass die Aggressivität unter den Küken mindestens so lange anhält, bis das Gefiederwachstum zum Abschluss gekommen ist.

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Brutpflege

Die Eltern füttern das Küken, bis es sich selbst versorgen kann, und reduzieren nach und nach die Futtermenge, abhängig von der jeweiligen Wachstumsphase des Jungvogels. 90 bis 99 Tage nach dem Schlüpfen ist das Gefieder der Jungvögel vollständig und sie schicken sich an, das Nest zu verlassen. Ab diesem Moment erlernen sie alle notwenigen Flug- und Jagdtechniken, um dann sechs Monate später auf sich allein gestellt zu sein.

Bestand des Klippenadlers

Laut der britischen Organisation International Union for Conservation of Nature (IUCN) wird der Bestand des Klippenadlers als am wenigsten besorgniserregend eingestuft. Regionale afrikanische Regierungen stufen die Adlerart jedoch als gefährdet ein, da die Population in einigen Verbreitungsgebieten abgenommen hat.

Ist der Klippenadler Bedrohungen ausgesetzt?

Dieser Adler gilt als widerstandsfähig, da seine Brutgebiete keiner starken Beeinflussung durch den Menschen unterliegen. Ein möglicher Grund könnte sein, dass es sich um schwer zugängliche Bereiche handelt, die bisher von Menschenhand unberührt geblieben sind. Andererseits kann sich der Zugriff des Menschen auf die Beutetiere auswirken, was den Klippenadler dazu veranlassen kann, den Ort zu wechseln. Das könnte sich nachteilig auf die Population auswirken.

Was den Naturschutz angeht, sind die hauptsächlichen Bedrohungen – wie das üblicherweise der Fall ist – die vom Menschen verursachten Veränderungen. Diese können sich nachteilig auf die Beutetiere auswirken und damit zur Ausrottung des Klippenadlers führen. Obwohl dies bereits in mehreren Untersuchungen berücksichtigt wurde, ist die Zukunft dieses Greifvogels schwer vorherzusagen.

Kaum zu glauben, dass solch ein majestätischer Vogel trotz seiner Robustheit in Gefahr sein könnte. Leider hat die Menschheit die unglückliche Angewohnheit, Lebensräume zu zerstören und die darin befindlichen Tiere auszurotten, ganz gleich, wie groß der Widerstand auch sein mag. Das ist bedauerlicherweise die traurige Realität. Die Zerstörung von Lebensräumen ist ein katastrophaler Eingriff in die Natur. Dies lässt sich auf den ersten Blick häufig nicht gleich erkennen.

Der Mensch braucht zum Überleben zwar Ressourcen, aber was die Menschheit dabei anstreben muss, ist ein Gleichgewicht, welches uns das Zusammenleben mit der Natur ermöglicht. Auf diese Weise wird die Zukunft des Klippenadlers und aller anderen Arten – uns Menschen eingeschlossen – geschützt.

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