Mein Hund ist besitzergreifend: Was kann ich tun?

Obwohl es für Hunde normal ist, wichtige Ressourcen schützen zu wollen, kann dies zu Besitzaggression führen. Erfahre, was in solchen Fällen zu tun ist.
Mein Hund ist besitzergreifend: Was kann ich tun?
Georgelin Espinoza Medina

Geschrieben und geprüft von Biologe Georgelin Espinoza Medina.

Letzte Aktualisierung: 22. November 2022

Haustiere sind liebenswerte Geschöpfe, die viel Freude bringen und uns tolle Gesellschaft leisten. Allerdings ist nicht immer alles perfekt, und unter bestimmten Umständen können unsere Haustiere unerwünschte Verhaltensweisen zeigen. Den Umgang mit diesen gilt es zu erlernen. Was sollten wir also tun, wenn wir einen besitzergreifenden Hund haben?

Diese “Besitzergreifung” stellt eine Art aggressives Verhalten dar, das Hunde an den Tag legen. Wenn du einen Hund hast, der selbiges Verhaltensproblem zeigt, dann ist dieser Artikel genau das Richtige für dich. Wir teilen dir alle Details zu diesem Problem mit und geben dir Richtlinien an die Hand, die du in dieser Hinsicht befolgen solltest.

Aggression aufgrund von Besitz- und Verteidungsdenken

Mein Hund ist besitzergreifend: Was kann ich tun?

Es gibt verschiedene Arten von aggressivem Verhalten bei Hunden, und eine davon ist Aggression aufgrund von Besitzdenken. Darunter versteht man das Verteidigungsverhalten eines Hundes gegenüber allem, was er für sein Eigentum hält und was für ihn wertvoll ist. Dieses Verhalten kann sich gegen Menschen oder andere Tiere (nicht unbedingt gegen andere Hunde) richten.

Es ist üblich, die Begriffe Besitzaggression und Ressourcen verteidigung synonym zu verwenden. Für einige Fachleute ist der Begriff Verteidigung jedoch breiter gefasst. Bei diesen umfasst er Verhaltensweisen wie Körperblockade, Wache halten oder mit dem fraglichen Gegenstand weglaufen. Andere Experten hingegen sagen, dass Besitzaggression die “schwerste” Form dieser Verhaltensweisen ist.

Wie versteht man unter einem besitzergreifenden Hund?

Der Hund kann bei verschiedenen Gegenständen besitzergreifend sein, z. B. bei seinem Futter, einem Knochen, einem Spielzeug oder seinem Bett. Überdies kann er sich übermäßig beschützend gegenüber seiner Bezugsperson zeigen. Der Hund kann knurren, die Zähne fletschen, schnappen und beißen, wenn sich jemand dem Gegenstand oder der Person nähert, von dem er glaubt, dass er sich dieser Dinge “bemächtigen” will. Auch Fremden gegenüber, die sich dem Herrchen oder Frauchen nähern, können diese Tiere sich feindselig verhalten.

Die Diagnose ist nicht so einfach und erfordert die Beschreibung des Verhaltens, die genaue Angabe der involvierten Reize sowie die Krankengeschichte des Hundes. In vielen Fällen ist es für eine genaue Analyse notwendig, das Problem in der natürlichen Umgebung des Tieres, d. h. zu Hause, zu beobachten oder zu simulieren. Es kann auch notwendig sein, einige Tests durchzuführen, um gesundheitliche Probleme (wie z. B. Schmerzen) auszuschließen.

Aggressives Verhalten ist vielfältig und reicht von Bellen und Knurren bis hin zu Beißen und Angreifen.

Die Entwicklung dieses Verhaltens kann auf eine Veränderung der Hierarchie zwischen Hund und Halter*in zurückzuführen sein, die zu problematischem und gefährlichem Verhalten führt – besonders, wenn Kinder betroffen sind.

Besitzergreifende Hunderassen

Jeder Hund, unabhängig von seiner Größe oder Rasse, kann besitzergreifend sein. Es stimmt jedoch, dass es bei einigen Hunderassen eine genetische Veranlagung dazu gibt. So ist dieses Verhalten bei den folgenden Rassen häufiger anzutreffen:

  • Cocker Spaniel
  • Border Collie
  • Rottweiler
  • Jack Russell
  • Golden Retriever

In einer englischsprachigen Studie, die im Großraum New York durchgeführt wurde, wurden 245 Fälle von Verhaltensproblemen bei Hunden, die als Haustiere gehalten wurden, ausgewertet, von denen 65 Ressourcenverteidigung zeigten. Davon waren 43 Rüden, 34 waren nicht kastriert und 9 waren kastriert. Auf der anderen Seite waren nur 22 Hündinnen, 2 nicht kastriert und 20 kastriert. Außerdem waren die meisten von ihnen Cockerspaniels.

Das bedeutet jedoch nicht, dass alle Hunde dieser Rassen diese Verhaltensprobleme haben. Denn neben der DNA gibt es noch andere Faktoren, die das Verhalten beeinflussen, ein sehr wichtiger davon ist die Zucht.

Überdies gibt es individuelle Unterschiede im Verhalten von Hunden. Manche Hunde reagieren schon bei geringer Stimulation aggressiv, während bei anderen das Gegenteil der Fall ist. Diese versuchen niemals zu beißen.

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Wie sollte man einen besitzergreifenden Hund korrigieren?

Als Erstes sollte man bedenken, dass Aggressionen nicht durch Bestrafung des Tieres gelöst werden können, da diese Haltung gewalttätiges Verhalten fördert. Hier sind einige allgemeine Empfehlungen, was zu tun ist, wenn du es mit einem besitzergreifenden Hund zu tun hast:

  • Versuche, den Grundgehorsam des Hundes in allen Szenarien zu trainieren. Dazu gehört auch, dass du ihm beibringst, Kommandos zu befolgen (Fuß, Sitz oder Fressen). Diese Übungen helfen ihm, dich als Anführer*in zu sehen.
  • Du kannst ihn auch mit der Hand füttern, und zwar an verschiedenen Orten, was ebenfalls dazu beiträgt, deine Dominanz über ihn zu bekräftigen.
  • Du solltest deinen Hund auch nicht auf deinem Bett oder auf dir oder einem anderen Familienmitglied schlafen lassen, denn das ist für Hunde eine Form der Dominanz. Es ist ratsam, dass Hunde ihren eigenen Platz und ihr eigenes Bett haben.
  • Wenn der Hund ein besitzergreifendes Verhalten gegenüber Spielzeug oder anderen Gegenständen zeigt, solltest du ihm beibringen, sie loszulassen und sie dir zu geben, wenn du ihn darum bittest. Am Anfang kann das womöglich ziemlich schwierig sein. Du kannst damit beginnen, den Gegenstand gegen ein Leckerli auszutauschen, das der Hund mag.
  • Es ist auch ratsam, Gehorsam zu üben, indem du mit Dingen beginnst, die für das Tier nicht so wichtig sind. Nach und nach tastest du dich an die Sachen heran, die für einen Hund am wertvollsten sind und bei denen die Vierbeiner ein besitzergreifendes Verhalten zeigen.

Konsultiere Fachleute

Mein Hund ist besitzergreifend: Was kann ich tun?

Um einen besitzergreifenden Hund unter Kontrolle zu bringen, braucht es viel Sorgfalt und Geduld. Es kann sogar notwendig sein, Fachleute zum Thema Hundeverhalten hinzuzuziehen. Sprich deshalb mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt, um ein Arbeitsprogramm für dich und dein Tier aufzustellen, oder wende dich bei Bedarf an eine Ethologin oder einen Ethologen.

Die Prognose kann unterschiedlich ausfallen: Bei manchen Tieren bessert sich die Situation deutlich und schnell, während andere mehr Zeit (Wochen oder Monate) benötigen. Lass dich nicht entmutigen und befolge immer die gegebenen Anweisungen, um zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen.

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