Wie schlafen Giraffen?

Alle Tiere haben unterschiedliche Schlafzyklen. Wie sie ruhen, hängt von ihrer Umgebung, ihrer körperlichen Anpassungsleistung und ihrer Rolle in der Nahrungskette ab. Wie also schlafen Giraffen?
Wie schlafen Giraffen?

Letzte Aktualisierung: 02. November 2021

Die Schlafdauer von Tieren ist sehr unterschiedlich und hängt von den Bedingungen ab, unter denen sie leben. Manche Säugetiere schlafen nur 2 Stunden am Tag, während andere im gleichen Zeitraum bis zu 18 Stunden oder mehr ruhen. Je größer das Lebewesen ist, desto sichtbarer und verwundbarer ist es, wenn es schläft. Zu diesem Thema stellen wir uns heute die folgende Frage: Wie schlafen Giraffen?

Ein Verständnis davon zu bekommen, wie diese riesigen Tiere schlafen, ist faszinierend! Einige Experten glaubten bis vor kurzem sogar, dass Giraffen überhaupt nicht schlafen. Aufgrund ihrer Größe und ihrem Status als Beutetier haben Giraffen das kürzeste Schlafbedürfnis im Tierreich. Auch ihre Ruheposition ist aus unserer Sicht etwas ungewöhnlich.

Wie lange schlafen Giraffen?

Giraffen (Giraffa camelopardalis), eine für Afrika typische Säugetierart, sind die größten Landtiere der Welt. Sie können eine Höhe von 5,80 Metern und ein Gewicht zwischen 750 und 1600 Kilogramm erreichen. Ihre einzigartige Anpassung an ihre Umgebung ermöglicht es ihnen, Pflanzen zu erreichen, an die kein anderer Pflanzenfresser herankommt.

Diese Säugetiere schlafen so wenig, dass einige Experten zu der Überzeugung kamen, dass sie überhaupt nicht ruhen. Mit nur 2 Stunden Schlaf am Tag, aufgeteilt in kurze Zeitintervalle von 5 Minuten, können sie ihr tägliches Leben ohne jegliche Probleme weiterführen. Vergleiche diese Zahlen mit einem Menschen, der bis zu 8 Stunden ununterbrochene Ruhe benötigt, um den Alltag gut zu meistern.

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Als Wiederkäuer verbringen Giraffen sehr viel Zeit mit Kauen und bekommen manchmal in kurzen Abschnitten ein wenig Schlaf. Obwohl sie schlank aussehen, fressen sie sehr viel. Sie verbringen zwischen 16 und 20 Stunden am Tag mit der Suche nach Pflanzenmaterial, wobei sie bis zu 65 Kilo an organisches Material verzehren können. Das ist auch einer der Gründe, warum sie so wenig schlafen.

Wie lange Giraffen schlafen, hängt davon ab, ob sie in Gefangenschaft oder Zoos leben. In Zoos fühlen sie sich sicherer und sind weniger gefährdet, so dass sie länger schlafen können.

Wie schlafen Giraffen?
Giraffen schlafen am Tag am Boden liegend nur wenige Minuten.

Wie schlafen Giraffen?

Giraffen könnten in der Natur die ungewöhnlichsten Schläfer sein. Normalerweise ruhen die erwachsenen Tiere auf ihren Füßen, um vor Raubtieren auf der Hut zu sein. Ihre Augen bleiben halb geöffnet, ihre Ohren bewegen sich ständig und ihr Körper bleibt aufrecht. All dies deutet darauf hin, dass der Schlaf einer Giraffe nicht besonders tief ist.

Wenn sie jung sind oder sich geschützt fühlen, können Giraffen jedoch schlafen, indem sie auf den Beinen liegen und den Hals über den Rücken klappen – eine Position, die nicht sehr bequem aussieht. Experten sagen, dass sie in dieser Position bis zu 4 Stunden am Stück schlafen können. Auch erwachsene Tiere schlafen gelegentlich so, aber selten länger als 5 Minuten am Stück.

Warum schlafen sie so wenig?

Wenn du schon einmal eine ganze Nacht ohne Schlaf verbracht hast, war dir am Morgen sicher bewusst, wie viel Zeit ein Mensch zur Regeneration braucht, um im Alltag gut funktionieren zu können. In freier Wildbahn sieht das anders aus, denn es gibt weder Dächer noch verschlossene Türen, womit sich Tiere vor Bedrohungen schützen könnten.

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Die unterschiedlichen Schlafzyklen der Lebewesen haben sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt. Für manche Tiere ist Schlafen mit einem höheren Preis verbunden. Sie liefern sich ungern den Angriffen anderer Spezies aus, während sie ruhen. Fachleute sagen, dass selbst die gefürchtetsten und erfolgreichsten Raubtiere nicht annähernd so tief schlafen wie Menschen, weil sie es sich nicht leisten können, ihrer Umgebung vertrauensvoll zu begegnen.

Im Fall der Löwen, den wichtigsten Landraubtieren in Afrika, verhält es sich so, dass sie bis zu 20 Stunden am Tag ruhen. Das große Aber dabei ist, dass sie dies durch kurze, leicht zu unterbrechende „Nickerchen“ tun. Anders als die Giraffen sind Raubkatzen nach dem Aufwachen viel schneller wieder einsatzbereit.

Wirkt es sich bei Giraffen negativ aus, wenn sie auf dem Boden schlafen?

Stell dir das größte Landtier der Welt vor, das mitten in einer Ebene liegt. Ein verlockendes Festmahl für jedes Raubtier, oder? Giraffen sind riesig und erreichen normalerweise Geschwindigkeiten bis zu 56 Kilometer pro Stunde; ein einziger Tritt von ihnen kann jedes Raubtier töten. Im Wachzustand sind sie also kein leichtes Ziel.

Wenn Giraffen lange Zeit auf dem Boden liegend schlafen wollten, hätte das unangenehme Folgen. Das Aufstehen ist für sie eine mühselige Prozedur, und sie könnten sich nicht adäquat verteidigen. Sie haben auch keine dicke Haut, keine  Panzerung und keine scharfen Zähne. Giraffen können sich nur auf ihre Körpergröße und ihre Kraft verlassen. Nach dem Aufwachen, dauert es zudem eine Weile, bis sie wieder aktiv werden.

Wie schlafen Giraffen
Giraffen liegen auf ihren Beinen und klappen den Kopf nach hinten, wenn sie schlafen wollen.

Wusstest du, dass diese kurz schlafenden Säugetiere vom Aussterben bedroht sind?

Die Strategie, die sie mit ihren Ruhezeiten in kurzen Intervallen verfolgen, schützt die Giraffe vielleicht vor anderen Tieren, aber nicht vor dem Menschen. Das spanische gemeinnützige Unternehmen Aquae Fundación sagt, dass  folgende Faktoren für die Giraffen die größte Bedrohung darstellen:

  • die illegale Jagd
  • der Verlust von Lebensräumen aufgrund des menschlichen Bevölkerungswachstums
  • der Ausdehnung landwirtschaftlich genutzter Flächen
  • die Ausweitung des Bergbau-Betriebes.

Diese Art, die im südlichen und östlichen Afrika beheimatet ist (es gibt auch Teilpopulationen in Zentral- und Westafrika), hat einen Schwund um 36 % bis 40 % erfahren. Im Jahr 1985 gab es noch etwa 160.000 von ihnen, aber 2015 wurde ein Rückgang auf etwas mehr als 97.500 Tiere verzeichnet.

Über Giraffen wurden bisher nur sporadische Untersuchungen angestellt. So glaubte man, wie bereits erwähnt, lange Zeit, dass sie überhaupt nicht schlafen würden. Heute gibt es in Afrika sogar noch weniger Giraffen als Elefanten. Deshalb ist es für ihren Schutz wichtig, mehr über das Leben der Giraffen zu wissen und die Bedeutung ihres Ökosystems zu verstehen. Sie schlafen sehr wenig, um sich vor Raubtieren zu schützen, aber dies kann sie nicht vor dem größten Raubtier der Welt bewahren – dem Menschen.

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