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Die Ming-Muschel, das älteste bekannte lebende Tier

4 Minuten
Dieses Weichtier war tatsächlich mehr als 500 Jahre alt, als es gefunden wurde.
Die Ming-Muschel, das älteste bekannte lebende Tier
Geschrieben von Celeste Cervera
Letzte Aktualisierung: 10. Juni 2023

Im Jahr 2006 fand eine wissenschaftliche Expedition in Island, die das Leben von Weichtieren genau untersuchen wollte, eine Muschel mit besonderen Merkmalen. Als sie sie genauer betrachteten, stellten sie fest, dass es sich um ein einzigartiges Exemplar handelte. Sie wurde nach der chinesischen Dynastie “Ming-Muschel” getauft und erwies sich als das älteste bekannte lebende Tier.

Wonach suchte die Expedition, die die Ming-Muschel fand?

Wissenschaftler:innen aus der ganzen Welt gehen oft auf Expeditionen nach Island und in die Umgebung, um die dortigen Weichtiere zu untersuchen. In den kalten Gewässern wurden sehr langlebige Arten gefunden und das hat die wissenschaftliche Gemeinschaft mobilisiert, einen Versuch zu unternehmen, den Alterungsprozess zu erforschen.

Isländische Muscheln werden untersucht, weil sie sehr langlebige Muscheln sind. Sie können Antworten auf bestimmte Unbekannte beim Alterungsprozess zu geben. Denn jedes Jahr fügen sie ihrer Schale einen neuen Ring hinzu, ähnlich wie Bäume. Durch die Analyse dieser Ringe können wir etwas über die Geschichte der Ozeane erfahren.

Anhand der Ringe wissen wir, wie sich das Meer und das Klima im Laufe des Lebens dieser Muschel verändert haben.

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Warum wurde sie Ming-Muschel genannt?

Als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler begannen, die Islandmuschel zu untersuchen (wissenschaftlich heißt die Gattung Arctica islandica), stellten sie fest, dass die Muschel Hunderte von Jahren alt ist. Zunächst wurde in der Presse verbreitet, dass sie zu einer Zeit entstand, als die Ming-Dynastie in China herrschte. Daher kam sie zu ihrem Namen.

Als die Forschungen weitergingen, entdeckte man, dass diese bestimmte Islandmuschel sogar mehr als 500 Jahre alt sein könnte, also mehr als ein halbes Jahrtausend.

Der Tod der Ming-Muschel

Im Rahmen einer Untersuchung der vielen gesammelten Weichtiere wurde auch die Ming-Muschel einbezogen. Bei diesen Untersuchungen werden Proben aus ihrer Schale entnommen.

Das Forschungsteam der Bangor University in Wales erklärte, dass die Besonderheit der Muschel zu Beginn der Analyse noch unbekannt war und als sie ihre Bedeutung entdeckten, war es zu spät, um das Weichtier zu retten.

Die Ming-Muschel, das bisher langlebigste Tier, starb, bevor die Wissenschaftler:innen erkannten, wie wichtig es eigentlich war.

Wie werden Muscheln untersucht?

Die angewandte Untersuchungsmethode ist die Sklerochronologie; diese besteht im Fall der Muscheln darin, die Schale zu öffnen. Es ist nicht immer bekannt, ob die darin befindliche Muschel noch lebt. Aber sollte sie lebendig sein, stirbt sie, wenn die Schale geöffnet wird. Bei dieser Methode werden die Ringe der Schale von innen gezählt.

Aus all diesen Gründen wussten die Wissenschaftler:innen, die die Ming-Muschel untersuchten, nicht, dass sie noch lebendig war und schon so viele Jahrhunderte überdauert hatte.

Zu ihrer Verteidigung sagten die Forscher:innen, dass Tiere der gleichen Art täglich kommerziell verzehrt werden und dass wir vielleicht häufig Muscheln essen, die Hunderte von Jahren alt sind. Ihr stärkstes Argument war, dass sie erst bemerkten, dass die Muschel sehr alt sein könnte, als die Untersuchung bereits begonnen hatte.

Die Ming-Muschel in den Schlagzeilen

Als die Nachricht vom Alter der Ming-Muschel bekannt wurde, machte ihre Entdeckung Schlagzeilen. Ebenso wie die traurige Nachricht von ihrem Tod für die Forschung. Diese Situation führte zu mehreren Protesten gegen die Bangor University, an der die Untersuchungen durchgeführt wurden.

Trotzdem führte besagte Studie 2013 zur Veröffentlichung eines hochwertigen Artikels in einer Fachzeitschrift. Darin beschrieben die Autor:innen den Zusammenhang zwischen der Langlebigkeit aller untersuchten Arten.

Das älteste bekannte lebende Tier verbrauchte nicht allzu viele Ressourcen als Reaktion auf äußere Stressfaktoren, woraus wir schließen können, dass die Ming-Muschel ein friedliches Leben führte.

Es könnte noch mehr Ming-Muscheln im Meer geben

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Ming-Muschel nicht die einzige Muschel ist, die sich durch ihre Langlebigkeit auszeichnet. Die Wissenschaft ist sich einig, dass es in Island und an den arktischen Küsten noch ältere Muscheln geben könnte.

Und genauso wichtig wie die langlebigen Muscheln sind die Informationen, die sie uns geben können. Denn in den Ozeanen gab es immer wieder Strömungsveränderungen, zuletzt vor etwa 400 Jahren in der Kleinen Eiszeit.

Die Schalen von Austern, Venusmuscheln, Miesmuscheln, Hummern und Seeschnecken, der langlebigen Arten, verraten uns die Geschichte der Ozeane und zeigen, wie schnell sich die Dinge in letzter Zeit verändert haben.

Die Zukunft der Meeresforschung

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Heute werden die Ozeane durch CO₂-Emissionen beeinträchtigt und Korallen und Muschelschalen zeugen davon. Die Versauerung der Meeresgewässer kann die Fortpflanzung von Arten und das Überleben von Volkswirtschaften, die von der Fischerei abhängen, beeinträchtigen. Die hohen Temperaturen, die auf den Ozean einwirken, beeinträchtigen die Populationen der Meeresfauna.

Wenn man bedenkt, dass Meereslebewesen auch ungesättigte Fettsäuren für die menschliche Ernährung liefern, die dem Herz-Kreislauf-System zugutekommen, ist es verständlich, wie wichtig es ist, die wissenschaftliche Forschung zu unterstützen und sicherere Untersuchungsmethoden für das Leben im Meer zu finden.


Alle zitierten Quellen wurden von unserem Team gründlich geprüft, um deren Qualität, Verlässlichkeit, Aktualität und Gültigkeit zu gewährleisten. Die Bibliographie dieses Artikels wurde als zuverlässig und akademisch oder wissenschaftlich präzise angesehen.



Dieser Text dient nur zu Informationszwecken und ersetzt nicht die Beratung durch einen Fachmann. Bei Zweifeln konsultieren Sie Ihren Spezialisten.