Die Geheimnisse der Chamäleon-Zunge

Kleine Chamäleons können ihre Zunge über eine größere Distanz ausstrecken als größere Exemplare. Möchtest du mehr über ihre erstaunlichen Zungen erfahren?
Die Geheimnisse der Chamäleon-Zunge

Letzte Aktualisierung: 29. März 2022

Chamäleons gehören zu den berühmtesten Reptilien der Tierwelt und sind für ihre Fähigkeit bekannt, ihre Farbe zu wechseln, um sich vor Raubtieren zu verstecken. Das ist aber nicht die einzige erstaunliche Eigenschaft, die sie haben, denn das Chamäleon hat auch eine unglaubliche Zunge, die doppelt so lang ist wie sein Körper. Lies weiter und lerne die Geheimnisse der Chamäleon-Zunge kennen.

Diese einzigartigen Reptilien benutzen ihre lange Zunge, um ihre Beute zu fangen, denn sie trägt klebrige Substanzen, die ihnen dabei helfen, sie zu fesseln. Doch das ist noch nicht alles: Sie führen diese Bewegung in weniger als einer Sekunde aus, was sie bei der Jagd sehr schnell und präzise macht.

Was sind Chamäleons?

Chamäleons sind eine vielfältige Gruppe von Reptilien, die zur Familie der Chamäleonidae gehören. Die Reptilien-Datenbank informiert, dass es mehr als 200 Arten gibt, die in den gemäßigten Regionen der Welt verbreitet sind. Diese Tiere sind in verschiedenen Lebensräumen zu Hause, was zu einer großen Vielfalt an Farben und Formen geführt hat.

Chamäleons sind mittelgroße Reptilien, die zwischen einigen Zentimetern und etwas mehr als einem halben Meter groß werden. Auch ihre Fähigkeit, die Farbe zu wechseln, hängt von der jeweiligen Art ab, aber ihre Funktion ist immer ähnlich: Sie ahmen die Umgebung nach, dienen der Wärmeregulierung und senden visuelle Signale an andere Tiere.

Chamäleons sind normalerweise nicht sehr aktiv, da sie sich lieber verstecken und lange Zeit unbeweglich bleiben. Sie nutzen ihre Inaktivität zur Jagd, indem sie an einem Ort bleiben, um jeden unachtsamen Gliederfüßer zu fangen, der sich nähert. Ohne ihre lange Zunge wäre dies jedoch nicht möglich, denn sie erweitert den Fangbereich, was diese Reptilien zu ihrem Vorteil nutzen.

Chamäleon-Zunge

Die Geheimnisse der Chamäleon-Zunge

Die Chamäleon-Zunge funktioniert mit einem Mechanismus, der einer Feder ähnelt. Sie schießt wie eine Kugel heraus. Forschern der Universität Oxford schätzten, dass ein Exemplar zwischen 10 und 55 Mikrosekunden braucht, um seine Zunge herauszuschleudern.

Um diese hohe Geschwindigkeit zu erreichen, stützt sich der Mechanismus der Struktur ausschließlich auf Muskeln. Der Prozess nutzt die elastischen Kräfte der Kollagenfasern, die eine Art “Zungenkatapult” bilden, das mit hoher Geschwindigkeit schießen kann.

Die Länge der Zunge ist bei diesem Prozess ebenfalls bedeutungsvoll, denn wenn sie sich zurückzieht, beginnt sie, eine Zugkraft in dem Muskel zu speichern, der sie bildet. Mit anderen Worten: Es passiert dasselbe wie beim Ineinanderschieben eines Fernglases, um die Größe auf ein Minimum zu reduzieren. Da es sich um einen elastischen Muskel handelt, führt dieser Effekt dazu, dass er sich anspannt und Energie speichert.

Einfach ausgedrückt: Die Zunge zieht sich zusammen, als wäre sie eine Art Feder, die, wenn sie losgelassen wird, die gespeicherte Energie freigibt und wie ein Geschoss herausschießt. Dadurch ist die Geschwindigkeit, mit der die Zungenstruktur ausgeworfen und die Beute abgefangen wird, unglaublich.

Hauptstrukturen des Zungenmechanismus

Obwohl das einfach klingt, ist der Mechanismus auf biologischer Ebene sehr kompliziert. Aber irgendwie hat die Natur eine Lösung gefunden und aus diesen 3 Grundstrukturen etwas Faszinierendes geschaffen:

  1. Entoglossalfortsatz: Ein Knochen, der als Basis für die Zunge des Chamäleons dient und hilft, die Richtung zu bestimmen. Formal gesehen handelt es sich um einen Vorsprung des Zungenbeins, der nur bei diesen Reptilien vorkommt.
  2. Beschleunigungsmuskel: Er ist dafür zuständig, die gesamte Zunge zurückzuziehen und zusammenzudrücken, um die Spannung zu erzeugen; das Gleiche passiert beim Zusammenziehen einer Feder. In dem Moment, in dem er aufhört, diesen Druck auszuüben, setzt der Mechanismus die Energie frei und feuert.
  3. Retraktor-Muskel: Sobald der Mechanismus aktiviert ist, ist dieser Muskel dafür verantwortlich, die Zunge zusammenzuziehen und sie in den Mund zurückzubringen. Im Gegensatz zum Beschleuniger funktioniert er wie jeder andere Muskel und erzeugt keine Energie durch Spannung.

Dieser fabelhafte Mechanismus schafft es, Geschwindigkeiten von 33 Metern pro Sekunde zu erreichen, sodass sogar Hochgeschwindigkeitskameras eingesetzt werden müssen, um ihn zu filmen. So können die Chamäleons ihre Beute in Sekundenbruchteilen fangen, ohne dass diese es überhaupt bemerkt. Außerdem enthält die Spitze ihrer Zunge klebrige Substanzen, die den Fang sicherstellen. Jede Attacke hat eine hohe Chance, das Ziel zu treffen.

Behindert Kälte die Chamäleon-Zunge?

Wie du siehst, nutzten Chamäleons ihre Zunge bestens aus. Man meinen, dass dieser Mechanismus in der Kälte Probleme verursachen kann, da die Muskelfasern bei niedrigen Temperaturen nicht effizient sind. Das ist aber nicht der Fall, denn die Attacken dieses Reptils basieren nicht auf Bewegung, sondern auf Spannung aufgrund von Elastizität.

Der Mechanismus der Chamäleon-Zunge ist einzigartig, denn er nutzt die Elastizität der Muskulatur. Dieses Reptil hat eine schnelle, geräuschlose Waffe für die Jagd, was es zu einem großartigen Raubtier macht. Die Natur verleiht manchen Tieren beeindruckende Eigenschaften und Chamäleons scheinen besonders gesegnet zu sein, da sie viele außergewöhnliche Fähigkeiten haben.

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