Was hat es mit dem Schillern auf sich?

Das Schillern ist nicht nur ein Spektakel an Schönheit und Farbe, sondern erfüllt auch mehrere Funktionen für das Überleben der Art. Werfen wir einen Blick auf diesen einzigartigen "Effekt".
Was hat es mit dem Schillern auf sich?

Letzte Aktualisierung: 05. September 2022

Tiere mit schillernden Farben haben die Menschen seit jeher fasziniert. Sie schillern wie ein Metall, sind wandelbar und vor allem schön. Aber warum schillern manche Tiere? Und nehmen Tiere diesen „Effekt“ genauso wahr wie wir?

Viele Wissenschaftler*innen haben sich diese Fragen gestellt, denn etwas so Auffälliges wie das Schillern scheint nicht unbedingt ein Vorteil zu sein, wenn es ums Überleben geht. Zum Glück gibt es bereits einige Antworten, die du in diesem Artikel finden kannst, denn die Natur hat für alles einen Grund. Viel Freude beim Schmökern…

Was genau versteht man unter Irisieren?

Irisieren, also in Regenbogenfarben schillern, ist ein visuelles Phänomen, bei dem je nach Betrachtungswinkel eine andere Farbe auf einer Oberfläche wahrgenommen wird. Die Farbe, die reflektiert wird, ist in jedem der Fälle anders und lässt das Tier verschieden aussehen, wenn es sich bewegt.

Du kannst das Schillern in den Federn eines Pfaus oder eines Kolibris beobachten. Es kommt auch bei einigen Insekten vor, z. B. bei Glanzkäfern oder bei Libellen. Unabhängig von der Oberfläche ist der Effekt beeindruckend.

Was hat es mit dem Schillern auf sich?

Das Paradoxon des Schillerns bei Tieren

Es ist genau der auffällige Effekt des Schillerns, der die Forscher*innen fasziniert. Ist es für einen Vogel nicht einfacher, einen schillernden Käfer zu finden als einen, der sich auf einem Pflanzenblatt tarnt? Nach der Logik müssten diese changierenden Farben einigen Tieren zum Verhängnis werden, aber es wird nicht beobachtet, dass ihre Population deswegen abnimmt.

Sie wird oft mit dem Aposematismus verglichen, d. h. einer hellen, auffälligen Färbung, die Raubtiere vor einem möglichen Gift oder einer Bedrohung warnt. Diejenigen, die sich mit der Kommunikation von Tieren beschäftigen, gehen jedoch davon aus, dass die Signale eindeutig sein müssen, damit das beobachtende Tier sie versteht. Gilt das Signal einer Oberfläche, das wechselnde Farben aufweist, wie im Fall des Schillerns, als eindeutig?

Im Laufe der Forschung stellte sich (wieder einmal) heraus, dass es nicht von einem anthropozentrischen Standpunkt aus untersucht werden kann. Im folgenden Abschnitt erklären wir dir, warum.

Warum schillern manche Tiere?

Wie wir schon sagten, ist die wichtigste Regel der Kommunikation, dass die Botschaft klar sein muss, um verstanden zu werden. Da sich schillernde Farben ständig verändern (da sowohl die Beobachter*innen als auch das Tier selten völlig still stehen), wie schaffen sie es, mit ihrer Färbung eine Botschaft zu senden?

Die Antwort liegt natürlich in der Untersuchung der Wahrnehmung der Tiere. Was für uns ein sich bewegender Regenbogen ist, ist für die schillernden Tiere ein Werkzeug. Schauen wir uns die beiden wichtigsten Verwendungszwecke im Detail an.

Sexuelle Selektion

Wenn leuchtende Farben nicht dazu dienen, vor der Gefahr zu warnen, dass sie erbeutet werden, werden sie oft eingesetzt, um einen Partner zu finden. Vögel sind das beste Beispiel dafür, denn bei vielen Arten ist das farbenreichste, größte und geschickteste Männchen in der Regel dasjenige, das als Erstes eine Partnerin findet (oder eine größere Anzahl von ihnen).

Das Schillern spielt dabei eine wichtige Rolle. Ebenso muss man berücksichtigen, dass Tiere in der Regel keine passiven „Flirter“ sind. Neben ihrem auffälligen Aussehen zeigen sie auch Verhaltensweisen, die sich diese Merkmale zunutze machen. Der Pfau weiß zum Beispiel, dass er seine Schwanzfedern ausbreiten und auf das Weibchen richten muss. Er möchte sie dadurch davon überzeugen, sich mit ihm zu paaren.

Ein weiteres interessantes Beispiel ist der Annakolibri (Calypte anna), der seinen Flug so steuert, dass seine schillernden Federn nur vor dem Weibchen ein tiefes Rosa reflektieren.

Das Verteidigungspotenzial schillernder Tiere

Was hat es mit dem Schillern auf sich?

Offenbar kann das Schillern auch eine Verteidigungsfunktion gegen Raubtiere haben. Wie der oben erwähnte Aposematismus ist auch der Glanzeffekt in der Lage, Raubtiere abzuschrecken und eine klare Botschaft zu senden.

Eine englischsprachige Studie fand insbesondere heraus, dass Vögel im Vergleich zu matt gefärbten Käfern und hell gefärbten Käfern die schillernden seltener fressen.

Eine andere Studie hingegen belegte, dass ein hohes Maß an Stress bei der Gelbbraunen Soldatenagame (Ctenophorus decresii) zu Veränderungen in ihrer Färbung führte. Wenn die Agame sich in Gefahr fühlte, geschah folgendes: Die Haut um ihre Kehle herum hellte sich auf und das Schillern ihrer Schuppen nahm zu. Das zeigt, dass das Tier durch die Färbung der Haut eine Botschaft sendet, die es als Warnung auffälliger macht.

Wie du siehst, sind schillernde Tiere ein weiterer Beweis für eine bestimmte These: Die Natur hält sich eben nicht immer an die Gesetze, die wir Menschen ihr zuschreiben. Häufig wird angenommen, dass Tarnung die effektivste Überlebenstechnik ist. In Wahrheit verhält es sich allerdings so, dass auffällige Farben auch effektiv sein können, wenn es darum geht, sich zu verteidigen und eine Partnerin zu finden. Was gibt es in diesen faszinierenden Naturwelten wohl sonst noch so zu entdecken?!

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