Schafe: Ihr Verhalten, Merkmale und Charaktereigenschaften

Das Verhalten von Schafen mag auf den ersten Blick relativ simpel erscheinen. Aber wenn du es genauer analysiert, wirst du tatsächlich überrascht sein. Hier ist der Beweis dafür.
Schafe: Ihr Verhalten, Merkmale und Charaktereigenschaften

Letzte Aktualisierung: 27. Juli 2021

“Das schwarze Schaf der Familie” oder “wie dumme Schafe hinterherlaufen” sind gebräuchliche Redewendungen, die ausdrücken, dass das Verhalten von Schafen nicht besonders geschätzt wird. Wenn du diese Säugetiere jedoch besser kennenlernst, wirst du keinen Zweifel daran haben, dass sie komplexer sind, als dies den Anschein haben mag.

Studien über das Sozialverhalten von Schafen haben viel zur Soziologie und vergleichenden Psychologie beigetragen. Wenn du die Menschen durch Schafe ein wenig besser kennen lernen willst, solltest du unbedingt weiterlesen. In unserem heutigen Artikel findest du die Schlüssel zu ihrem Verhalten.

Merkmale von Schafen

Schafe (Ovis orientalis aries) sind Paarhufer aus der Familie der Hornträger (Bovidae). Ihre Beziehung zum Menschen geht auf ihre Domestizierung um 11.000 v. Chr. zurück. Tatsächlich ist das Schaf das erste Tier in der Geschichte der Menschheit, das diesem Prozess unterzogen wurde.

Diese Säugetiere sind strenge Pflanzenfresser. Normalerweise bewohnen sie Bergregionen, aber sie können sich gut an unterschiedliche Höhen und Temperaturen anpassen. Im Allgemeinen kann man Schafe in freier Wildbahn überall dort entdecken, wo niedriges Gras oder Gebüsch wächst.

Schafe gehören zur Gruppe der Wiederkäuer und weiden als solche bis zu 10 Stunden am Tag. Das Wiederkäuen ist ein entspannter Prozess, der mit sozialem Verhalten, beispielsweise der Pflege, kombiniert wird.

Ihr Charakter

Das Temperament der Schafe ist fügsam und ruhig. Dennoch wahren sie immer ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit, um schnell auf mögliche Angriffe reagieren zu können. Als Beutetiere zeigen sie schnelle und unkontrollierbare Fluchtreaktionen.

Darüber hinaus sind Schafe extrem gesellige Tiere. Sie können sich individuell erkennen und bevorzugen die Gesellschaft anderer Mitglieder ihrer Gruppe. Wenn sie isoliert werden, verlieren sie schnell ihren Nahrungsinstinkt und erleben großen Stress oder verfallen sogar in Panik.

Schafe auf der Weide

Die Kommunikation der Schafe

Die Tiere erkennen sich gegenseitig durch Sehen und Riechen. Über diese Sinne lernen die Schafe einander kennen und Mutterschafe wissen, welches ihr Nachwuchs ist. Die sexuelle Kommunikation erfolgt ebenfalls über Duftstoffe, da die Männchen die brünstigen Weibchen anhand der von ihnen abgesonderten Pheromone identifizieren.

Darüber hinaus kommunizieren sie über verschiedene Laute. Dies sind die charakteristischsten Lautäußerungen von Schafen:

  • Blöken: Die Lautäußerungen haben je nach Situation unterschiedliche Bedeutungen, erfüllen aber normalerweise die Funktion eines Aufmerksamkeitsrufs. Sie werden zwischen Müttern und Lämmern beobachtet oder wenn Mitglieder des sozialen Kerns nach einem Schaf suchen, das sich von der Gruppe entfernt hat. Jedes Individuum hat sein eigenes Stimm-Timbre.
  • Grunzen: Diese Laute werden hauptsächlich von Männchen während der Paarungszeit ausgestoßen. Eine leisere Version ist bei Müttern mit Neugeborenen zu hören.
  • Nasales Schnauben: Als Reaktion auf eine überraschende Situation. Des Weiteren schnauben Schafe auch, wenn sie ihre Artgenossen warnen wollen.
  • Stille: Wenn ein Schaf keine Geräusche macht und bewegungslos bleibt, hat es normalerweise Schmerzen oder ist krank.

Schafe und ihre typischen Verhaltensweisen

Schafe leben in großen Herden, die hauptsächlich aus Weibchen und Lämmern bestehen, begleitet von einem oder mehreren Männchen. Außerdem gibt es ein Leitschaf, dem die anderen folgen, um nach Nahrung und Unterschlupf zu suchen oder im Falle von Gefahr zu fliehen.

Männchen (Böcke) organisieren ihre Hierarchie auf der Basis von Alter, körperlicher Stärke und Fortpflanzungserfahrung, während die Weibchen (Schaf oder Mutterschaf) ihre Hierarchie auf der Basis von Verwandtschaft und Alter organisieren.

Obwohl Schafe im Volksmund als unintelligent gelten, zeigte eine Studie, dass ihr IQ nicht viel niedriger ist als der von Schweinen – und etwa gleich hoch wie der von Kühen. Diese Säugetiere sind in der Lage, ihren eigenen Namen zu lernen und Gesichter zu erkennen, sowohl von Menschen als auch von anderen Schafen.

Eine andere Studie, die in der Zeitschrift Current Biology veröffentlicht wurde, beschrieb ein Verhalten, das angesichts von Raubtierangriffen als egoistisch angesehen wird. Wenn sie eine drohende Gefahr bemerken, versuchen alle Schafe, das Zentrum der Herde zu erreichen, da diejenigen, die am Rand bleiben, am stärksten gefährdet sind.

Das Weideverhalten von Schafen

Ihre täglichen Aktivitätsspitzen folgen einem Zyklus aus morgendlichem Fressen, Ruhe und Wiederkäuen und einer Periode mit weniger intensiver Futteraufnahme vor dem Schlafengehen. Bei der Haltung von Schafen in Gefangenschaft ist es wichtig, sich darauf einzustellen, anstatt sie zu zwingen, diesen Rhythmus zu ändern.

Da es sich um von Natur aus misstrauische Tiere handelt, sollte der Schafbesitzer oder Tierpfleger schrittweise vorgehen und die Reaktionen der Tiere stets beobachten. Um die Gruppe zu führen, ist es am einfachsten, das Leitschaf zu identifizieren und es zum gewünschten Ort zu leiten. Die anderen Mitglieder der Herde werden folgen.

Normalerweise neigen Schafe dazu, gemeinsam zu weiden, aber wenn das Weideland knapp wird, teilen sie sich in kleinere Gruppen auf. Dennoch halten sie stets Ausschau nach ihren Artgenossen, um rechtzeitig auf Gefahrensituationen reagieren zu können.

Das Verhalten der Mutterschafe

Die Trächtigkeitsdauer von Mutterschafen beträgt etwa 5 Monate, so dass ein Weibchen zweimal im Jahr gebären kann. Zum Zeitpunkt des Ablammens sucht sich das Mutterschaf einen ruhigen, abgelegenen Ort, um zu gebären.

Die Bindung zwischen Mutter und Kalb wird durch Körperkontakt hergestellt. Die Mutter leckt ihr Lamm, um es zu pflegen, so dass das Lamm mit ihren Lauten und ihrem Duft vertraut wird. Das Kalb versucht instinktiv zu säugen und lernt schnell, seine Mutter zu erkennen.

Wenn das Kalb von der Mutter getrennt wird, bevor diese das Lamm durch Ablecken identifizieren konnte, kann es passieren, dass das Mutterschaf das Lamm ablehnt. Diese mütterliche Ablehnung verhindert die Laktation. Infolgedessen reduzieren sich die Überlebenschancen des Lammes drastisch.

Dieses erste Lecken hilft, die Körperwärme der Lämmer zu erhalten. Außerdem fördert es die Durchblutung und unterstützt die Jungtiere bei ihren ersten Schritten.

Wie trainiert man Schafe?

Schafe verfügen über eine große Lernfähigkeit. Aufgrund ihrer ängstlichen Natur funktionieren bei ihnen allerdings viele Verhaltensmethoden nicht, die für andere Spezies – wie Hunde – sehr gut geeignet sind. Die am häufigsten angewandte Technik ist die Desensibilisierung. Hierbei wird das Schaf solange einem Angst auslösenden Ereignis ausgesetzt, bis diese Situation keine Fluchtreaktion mehr auslöst, weil das Schaf gelernt hat, dass ihm nichts geschieht.

Wenn du deine Schafe trainierst, wirst du bei Tierarztbesuchen und Routineuntersuchungen wesentlich weniger Probleme erleben. Darüber hinaus empfiehlt es sich sehr, auf Nahrung zurückzugreifen, um das Sicherheitsgefühl der Tiere zu stärken. Du solltest immer bedenken, dass Schafe durch Stress und Panik schwere gesundheitliche Probleme erleiden.

Eine Schafherde im Abendrot

Kanntest du all diese Details über das Verhalten von Schafen? Möglicherweise wirst du sie nun mit anderen Augen sehen. Zweifellsohne sind diese Tiere eines der besten Beispiele dafür, dass der Blick über den Tellerrand und mehr Wissen wunderbare Konsequenzen haben.

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