Anwendung von Blutegeln in der Medizin

22. August 2019
Die Blutegelanwendung gehört zu den ältesten Behandlungen in der Geschichte der Medizin. Heutzutage greift man bei verschiedenen Beschwerden erneut auf diese Methode zurück.

Blutegel sind wirbellose Hermaphroditen, die zur Familie der Ringelwürmer gehören. Es gibt verschiedene Spezies unter ihnen, die eine große biologische Vielfalt aufweisen. In unserem Artikel geht es um die Anwendung von Blutegeln in der Medizin und dabei möchten wir auf eine bestimmte Art eingehen: Hirudo medicinales.

Vorgeschichte der Anwendung von Blutegeln in der Medizin

Seit ihrem Auftreten in der menschlichen Geschichte um 3500 vor der Geburt Christi, sieht man die Anwendung von Blutegeln in der Medizin zur Behandlung bestimmter Erkrankungen als unerlässlich an.

Die Beweise für ihre Gegenwart findet man sowohl in den archäologischen Strukturen der Babylonier und Ägypter, als auch in den Gräbern der 18. Dynastie (1567 – 1308 vor Christi Geburt) des antiken Ägyptens. Sie treten sogar in der Bibel und im Koran auf.

Im antiken Ägypten waren die Anwendung von Blutegeln und der Bluterlass die meist verwendeten Heilungsmethoden. Doch auch andere Völker praktizierten diese Art von Therapien, zu ihnen gehören die Griechen, Römer, Mayas, Azteken und Mesopotamier.

In Griechenland wurde die Anwendung von Blutegeln durch den Vater der Medizin, Hippokrates, eingeführt. Der Philosoph Galenos, der an die Theorie der Körpersäfte glaubte, unterstützte ihn dabei.

Laut dieser Theorie hat ein gesunder Körper ein Gleichgewicht der verschiedenen Körpersäfte. Ein kranker Körper hingegen leidet unter einer Unausgeglichenheit der Säfte. Um dies zu lösen, konnte man Blut entnehmen, denn dies war der bedeutendste Körpersaft.

Frau hat Blutegel hinter ihrem Ohr

In Bezug auf den islamischen Einfluss waren auch dort der Bluterlass und die Anwendung von Blutegeln die beiden vorherrschenden Techniken. In verschiedenen Texten, wie etwa Fil tib Alqanoon oder Altasreef liman Ajeza Anittalif kann man darüber lesen.

Doch auch in der Ayurvedischen Medizin kann man den indischen Gott der Ayurveda sehen, wie er in seinen vier Händen ein Blutegel, eine Muschel, eine Energiescheibe und einen Topf hält.

Behandlung

Die meisten Anwendungen reichen allerdings zum Mittelalter zurück. Es gibt sogar eine interessante Anekdote, die man über die Pilgerer des Jakobsweges erzählt. Auf ihrer Reise machten sie in der Nähe von Tümpeln Halt und badeten sich in den Flüssen.

Man dachte, dass das Ruhen den Pilgern gut tat. Es waren jedoch tatsächlich die Blutegel, die ihnen neue Energie gaben. Sie erleichterten die Ödeme, die durch die Strapazen des Weges auftraten. Insbesondere beugten sie Thromboembolien vor. Das geschah dank des Hirudins, einer Substanz, die durch die Speicheldrüsen der Blutegel produziert wird.

Bei der Behandlung verwendete man eine konkrete Art von Blutegeln, die sich Hirudo medicinalis nennt. Diese Spezies ist für ihre verschiedenen therapeutischen Eigenschaften bekannt. Deshalb nennt man sie auch Medizinische Blutegel.

Anwendung von Blutegeln: Aktionsmechanismus

Der erstaunlichste Aspekt bei der Anwendung von Blutegeln sind die Substanzen, die Teil ihres Speichels darstellen. Sie wirken gefäßerweiternd, entzündungshemmend, blutgerinnungshemmend, schmerzstillend, keimhemmend und ödemhemmend.

Diese Substanzen haben verschiedene Anwendungen:

  • Sie eliminieren Probleme des Mikrokreislaufs und der Hypoxie,
  • reduzieren den Blutdruck,
  • stellen geschädigte Durchlässigkeit der Gefäße wider her,
  • verbessern das Immunsystem,
  • lösen den Ursprung von Schmerzen und
  • fördern die Verbesserung des bioenergetischen Zustands unseres Körpers.
Arzt setzt Blutegel auf der Haut auf

Zu den Substanzen, die man besonders hervorheben sollte, gehören die folgenden:

  • Blutgerinnungshemmer. Hauptsächlich gehört Hirudin hierzu. Diese Substanz hemmt Thrombin und die Gerinnung des Blutes. Man hat sie geklont und verwendet sie heutzutage bei verschiedenen Herz- und Blutkrankheiten.
  • Entzündungshemmer. Insbesondere erwähnenswert ist hierbei Bdellins, eine Substanz, die die Wirkung von Trypsine, Plasmin und Akrosin hemmt.
  • Blutgefäßerweiterung. Zu diesen Substanzen gehören Histamin, Acetylcholin und die Hemmer von Carboxypeptidasen A. Sie verbessern die Durchblutung in der entsprechenden Körperstelle.

Vorteile der Anwendung von Blutegeln

Die Anwendung dieser Therapie hat weder Nebenwirkungen noch negative Konsequenzen. Außerdem gibt es auch nur wenige Gegenanzeigen. Davon abgesehen ist der Prozess schmerzlos und sicher.

Man muss hervorheben, dass jedes Exemplar nur einmal angewendet werden kann. Man könnte jedes Tier geradezu als eine pharmazeutisch-chemische Maschine mit einem starken Saugmotor bezeichnen.

Gegenanzeigen bei der Anwendung von Blutegeln

Der Gebrauch von Hirudo Medicinales stellt eine Reihe von Risiken dar, über die man sich bewusst sein muss. Eines der Risiken befindet sich in den Eingeweiden des Blutegels. Es handelt sich hierbei um die Bakterie  Aeromonas hydrophila. Die beiden Lebewesen haben eine symbiotische Beziehung zueinander.

Die Bakterie bietet dem Blutegel Enzyme, die die Verdauung des Blutes erleichtern und der Blutegel bietet der Bakterie Schutz. Bei Menschen kann sie allerdings verschiedene Probleme hevorrufen, wie zum Beispiel Orangenhaut, ein lokaler Abszess, Hautverlust oder sogar schwere Komplikationen wie Sepsis oder Meningitis.

Für Menschen, die unter arterieller Insuffizienz oder Problemen mit dem Immunsystem leiden ist die Anwendung von Blutegeln ebenfalls nicht zu empfehlen. Auch bei Patienten, die Probleme mit der Blutgerinnung haben, oder unter lokalen oder systemischen Infektionen leiden, ist von der Anwendung abzuraten.

Schwangere Frauen oder Leute, die allergisch auf die aktiven Substanzen der Blutegel reagieren, sollten sich ebenfalls von dieser Art von Therapie fernhalten.

Schlussbemerkung

Diese althergebrachte Therapie wendet man heutzutage wieder erneut an. Bei verschiedenen, spezifischen Behandlungen konnte man ihre Effektivität beobachten. Man sollte jedoch auch erwähnen, dass man bei der Art der Anwendung über die Jahre hinweg kaum Veränderungen vorgenommen hat.

  • Enrique Angulo Sánchez. Efectividad de la Terapia con sanguijuelas. Revisión bibliográfica. Universidad de Salamanca, Campus de Ávila. 3 de octubre de 2016;Escuela de Enfermería de Ávila, centro adscrito a la Universidad de Salamanca:31. Disponible en: http://www.cabinadehirudoterapia.com/informe.pdf
  • Manrique Sáez MP, Ortega Larrea S, Yanguas Jiménez P. La sanguijuela, un gusano en la historia de la salud. Index de Enfermería. diciembre de 2008;17(4):290-4. Disponible en: http://scielo.isciii.es/scielo.php?script=sci_arttext&pid=S1132-12962008000400016
  • Cornejo-Esquerra A, Talleri-de-Andrea G, Blanco-Favela J de J, Ramos-Mora A, Villarán-Muñoz B. Sanguijuela Hirudo medicinalis: una alternativa terapéutica disponible en México. Revista Médica del Instituto Mexicano del Seguro Social [Internet]. 2009 [citado 17 de junio de 2019];47(3). Disponible en: http://www.redalyc.org/resumen.oa?id=457745514018