Netzgiraffe: Lebensraum und Merkmale

Die Netzgiraffe kann bis zu 66 Kilogramm Nahrung pro Tag zu sich nehmen. Allerdings benötigt sie in ressourcenarmen Gebieten nur 7 Kilogramm Gemüse pro Tag zum Überleben. Alles Wissenswerte über diese außergewöhnlichen Riesen.
Netzgiraffe: Lebensraum und Merkmale

Letzte Aktualisierung: 13. August 2021

Die Netzgiraffe ist bekannt für ihren langen, gestreckten Hals, der irgendwann einmal die innovativsten Evolutionstheorien ihrer Zeit inspirierte. Obwohl die Giraffe in Afrika endemisch ist, hast du sie höchstwahrscheinlich schon einmal in einem Tierpark in deiner Nähe gesehen. Obwohl das Tier auf den ersten Blick ruhig wirkt, kann es auch aggressives Verhalten zeigen, welches in heftigen Kämpfen enden kann.

In diesem Artikel geht es um eine der beeindruckendsten Landtierarten überhaupt, die Netzgiraffe (Giraffa reticulata). Es handelt sich um ein einzigartiges Säugetier, über das es viel zu erzählen gibt. Lies weiter und erfahre alles Wissenswerte über diese riesigen und ungewöhnlichen Lebewesen.

Lebensraum und Verbreitungsgebiet der Netzgiraffe

Dieses Säugetier ist im Norden und Nordosten Kenias zu finden, mit einigen kleinen Populationen im Süden Somalias und Äthiopiens. Früher glaubte man, die Giraffe sei eine einzige Art, die in ganz Afrika verbreitet sei, doch das ist weit gefehlt. Tatsächlich gibt es laut einem in der Zeitschrift Current Biology veröffentlichten Artikel vier verschiedene Giraffenarten, die in unterschiedlichen Gebieten leben.

Die Lebensräume dieses Wirbeltiers sind weite Wüstengebiete mit einem hohen Anteil an Akazienbäumen. Diese Giraffenherden koexistieren mit Menschen, die ihren Lebensunterhalt durch Viehzucht und Weiden in denselben Gebieten verdienen.

Eine Netzgiraffe mit ihren Artgenossen

Merkmale der Netzgiraffe

Die Giraffe ist mit einer Höhe von 5,7 Metern und einem Gewicht von fast 2 Tonnen das größte Landtier der Welt. Außerdem hat sie ein Paar kleiner verknöcherter Hörner auf dem Kopf, die normalerweise von Haut und Haaren umgeben sind, fast wie ein Paar “Antennen”. Außerdem ist ihr Schwanz so dünn, dass er als Peitsche dient, um Insekten zu vertreiben.

Obwohl der Geschlechtsdimorphismus nicht sehr offensichtlich ist, sind die Männchen größer als die Weibchen und können sogar ein zweites Hörnerpaar haben. In diesem Zusammenhang erwähnt ein in der Fachzeitschrift Oecologia veröffentlichter Artikel, dass der Hauptunterschied darin besteht, wie sie sich bei der Nahrungsaufnahme verhalten. Mit anderen Worten, da die Männchen gefräßiger sind, sind sie größer.

Die Netzgiraffe hat normalerweise eine charakteristische Färbung. Ihre Haut ist gelb-orangefarben und am ganzen Körper verteilen sich polygonförmige Flecken. Da jede Giraffe ein einzigartiges Polygon-Muster hat, fungieren diese Merkmale praktisch als “Fingerabdruck”.

Verhalten der Netzgiraffe

Die Netzgiraffe bildet Herden oder Gruppen mit 10 oder 20 Individuen beiderlei Geschlechts. Sie behalten ihren sozialen Status durch Hierarchien, da es ein dominantes Männchen gibt, das seine Position durch Kämpfe verteidigt. In Konflikten stehen die Männchen Seite an Seite und beginnen sich gegenseitig zu schlagen. Dabei nutzen sie ihre Hälse als Peitschen und ihre Hörner als eine Art Stachel.

Durch die Ergebnisse jedes Kampfes erhalten sie einen bestimmten Rang innerhalb der Herde, so dass das dominante Männchen der Stärkste von allen ist. Das ist eine schlechte Nachricht für die Verlierer, denn sie dürfen sich normalerweise nicht mit den Weibchen der Gruppe paaren. Daher ändern sich die Struktur und die Anzahl der Mitglieder ständig, da immer wieder neue Tiere hinzukommen.

Die Weibchen hingegen sind geselliger und weniger aggressiv und bilden Gruppen ohne Männchen. Während der Brutzeit gehen sie jedoch auf die Suche nach einem Partner, wodurch sich die Herde auflöst.

Die Netzgiraffe und ihre Ernährung

Netzgiraffen sind Pflanzenfresser, deren Hauptnahrung die Blätter von Akazienbäumen sind. Ihre verlängerten Hälse sind eines ihrer besten Hilfsmittel, da sie damit die höchsten Äste erreichen können. Außerdem verzehren sie manchmal auch Steine, um ihre Ernährung mit Mineralien zu ergänzen.

Wie andere Pflanzenfresser ist auch die Netzgiraffe ein Wiederkäuer, was bedeutet, dass sie viel Zeit damit verbringt, ihre Nahrung zu zerkleinern, sie wieder auszuwürgen und wieder aufzunehmen. Dies ist notwendig, da es schwierig ist, die Nährstoffe aus den Blättern, Blüten und Schoten zu gewinnen. Daher versuchen die Giraffen, sie zu zerkleinern, um diesen Prozess effizienter zu gestalten. Genau aus diesem Grund haben sie einen 4-Kammer-Magen.

Die Netzgiraffe und ihre Fortpflanzung

Giraffen haben eine merkwürdige Art zu erkennen, ob das Weibchen empfängnisbereit ist oder nicht. Mit Hilfe der Flehmen-Reaktion erkennen sie Pheromone, die ihnen einen Hinweis geben. Sie ziehen ihre Lippen zurück und zeigen ihr Zahnfleisch, wodurch sie ihr Vomeronasalorgan freilegen, das für die Geruchserkennung zuständig ist. Mit anderen Worten: Die Männchen machen Urintests, die ihnen verraten, ob die potenzielle Partnerin fruchtbar ist.

Wenn das Männchen feststellt, dass das Weibchen paarungsbereit ist, beginnt es, ihr den Hof zu machen, um sich zu paaren. Dazu packt es ihren Schwanz, als ob es um Erlaubnis bitten würde. Das Weibchen kann dies entweder ignorieren oder akzeptieren und ebenfalls den Schwanz des Männchens festhalten. Auf diese Weise findet das Paar für mindestens eine Paarungszeit zusammen.

Der Geruchssinn dieses Tieres spielt eine sehr wichtige Rolle bei der Fortpflanzung. Denn mit Hilfe dieses Sinnes können die Tiere erkennen, ob ein Weibchen fruchtbarer ist als andere. Infolgedessen können sie das geeignetste Weibchen auswählen. Die Wahl des besten Partners ist für dieses Säugetier sehr wichtig, um den Erfolg seines Wurfes zu gewährleisten. Denn es kann sich nur alle 20 bis 30 Monate paaren.

Schutz des Weibchens

Die Netzgiraffe ist eine polygame Art, das bedeutet, dass sie ihr Leben nicht mit einem einzigen Partner verbringen. Daher sorgen die Männchen dafür, dass sich dem Weibchen, mit dem sie sich zuvor gepaart haben, kein anderes Männchen mehr nähert, bis das eigene Kalb geboren ist.

Trächtigkeit und Geburt

Die Trächtigkeit dauert etwa 450 Tage und die Geburt findet zwischen Mai und August statt. Die Mutter kann im Stehen gebären, so dass ihr Kalb aus einer Höhe von 2 Metern auf den Boden fällt. Aber die Jungtiere erleiden dabei keine schweren Verletzungen. Im Gegenteil, gleich nach dem Sturz stehen sie von selbst wieder auf und beginnen zu säugen.

Brutpflege und Unabhängigkeit

In den ersten Wochen werden die Kleinen ununterbrochen von ihren Müttern betreut. Ab dem ersten Lebensmonat jedoch teilen sich die Weibchen der Gruppe die Arbeit und bilden “Kinderstuben”, in denen sie die Neugeborenen gemeinsam betreuen. So können sie nach Wasser und Nahrung suchen, ohne ihre Jungen alleine lassen zu müssen.

Die Jungtiere werden unabhängig, wenn sie 4 oder 5 Jahre alt sind. Da es sich um Tiere handelt, die einer Hierarchie folgen, machen sich die Männchen auf die Suche nach einer Gruppe, in der sie die Oberhand behalten können. Dies führt dazu, dass sie sich von ihrer Herde trennen und eine Zeit lang allein leben, zumindest bis sie eine Herde finden oder eine eigene bilden.

Erhaltungszustand

Laut der International Union for Conservation of Nature ist dieses Säugetier als bedrohte Art gelistet. Dies ist auf seine kleine und zersplitterte Population zurückzuführen, die sich auf bestimmte Gebiete in Afrika beschränkt. Hinzu kommt, dass der Lebensraum der Netzgiraffe aufgrund der zunehmenden Viehzucht in diesem Gebiet durch die Zahl der dort lebenden Menschen immer weiter zerstört wird.

Darüber hinaus wird die Netzgiraffe aufgrund ihrer enormen Größe und wegen ihres Fleisches gejagt. In der Tat geben mindestens 30 % der Gemeinden in der Nähe ihres natürlichen Lebensraums an, Giraffenfleisch zu verzehren. Gleichzeitig jagen die Dorfbewohner diese Tierart als Teil ihrer Bräuche, was ihnen einen besseren sozialen Status innerhalb ihrer Gemeinschaft verleiht.

Netzgiraffe mit ihrem Jungen

Trotz des freundlichen Aussehens von Giraffen werden sie alle in eine Risikokategorie eingestuft. Aus diesem Grund fungieren Zoos als eine Art “Arche Noah”, die ihnen eine zusätzliche Chance gibt, dem Aussterben zu entgehen. Leider sind heute einige Arten in ihrem natürlichen Lebensraum stärker gefährdet als in Gefangenschaft.

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