Delfine leiden an Demenz: Warum ist das so?

Nach neuen Forschungsergebnissen sind Menschen nicht die einzigen Säugetiere, die an degenerativen Erkrankungen des zentralen Nervensystems leiden.
Delfine leiden an Demenz: Warum ist das so?

Letzte Aktualisierung: 19. Januar 2023

Delfine gelten als die intelligentesten Tiere der Welt und sind eine Zahnwalart mit ganz besonderen Eigenschaften. Sie bewohnen die Gewässer des Atlantiks und des Pazifiks und sind sowohl an das tropische Klima als auch an eisige Umgebungen angepasst. In diesem Artikel gehen wir der Frage nach, ob Delfine an Demenz leiden können.

Sie sind vor allem für ihre große Intelligenz und ihr schnelles Lernvermögen bekannt sowie für ihre Fähigkeit, komplexe Emotionen zu empfinden, wie es auch der Mensch tut.

Bis vor kurzem glaubte man, dass der Homo sapiens das einzige Säugetier auf der Erde ist, das degenerative Krankheiten des Nervensystems wie Alzheimer oder Demenz entwickelt. Neuere Forschungen haben jedoch ergeben, dass auch Delfine betroffen sein können. Erfahre mehr über die Erkenntnisse, die zu dieser Schlussfolgerung geführt haben.

Delfine leiden an Demenz: Warum ist das so?

Die Alzheimer-Krankheit und ihre mögliche Ausprägung bei Delfinen

Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende Degeneration der Nervenzellen im Gehirn, die mit einer deutlichen Abnahme der Gehirnmasse einhergeht. Menschen, die an Alzheimer erkranken, leiden in der Regel unter sehr spezifischen Symptomen wie Gedächtnisverlust, Verwirrtheit und Demenz.

Obwohl die Hauptursache nicht klar ist, wurden genetische Faktoren, fortgeschrittenes Alter und Krankheiten wie Diabetes als Risikofaktoren für die Entwicklung der Krankheit erkannt.

Delfine – wie andere Meerestiere auch – stranden oftmals. Das passiert, wenn eine dieser Arten in flaches Wasser schwimmt und dort liegenbleibt oder sich am Ufer verfängt. Die meisten Wale verfügen über ein unglaubliches Orientierungssystem, das als Echoortung bekannt ist. Trotzdem sterben jedes Jahr mehr als 2.000 Meeressäuger wie Delfine und Wale, nachdem sie gestrandet sind.

Warum passiert das?

Nach Ansicht mehrerer Expert:innen können die Geräusche von Kampf- und Fischerbooten die Echoortung und die Ortungsprozesse dieser Tiere stören, sodass sie die Orientierung verlieren. Eine Studie, die in der englischsprachigen Fachzeitschrift European Journal of Neuroscience veröffentlichte wurde, deutet jedoch auf etwas anderes hin. Es gibt eine weitere Ursache für das Stranden von Delfinen, die der Degeneration des zentralen Nervensystems geschuldet ist.

In dieser Untersuchung, bei der die Gehirne von 22 Walen der Arten Rundkopf-Delfin, Weißflossen-Grindwal, Schweinswal, Weißschnauzendelfin und Großer Tümmler untersucht wurden, stellte man bestimmte Gehirnveränderungen fest. Man kann diese mit der Alzheimer-Krankheit beim Menschen in Verbindung bringen. Dabei ist zu beachten, dass die meisten dieser Tiere schon recht alt waren; sie starben, nachdem sie vor der Küste Schwedens gestrandet waren.

Delfine leiden an Demenz: Warum ist das so?

Die Anzeichen für neurologische Störungen bei Delfinen

Als die Gehirne der Tiere genauer untersucht wurden, fand man Beta-Amyloid-Plaques auf dem Nervengewebe. Dieses Peptid, das unter normalen Bedingungen eine grundlegende Rolle bei der Informationsübertragung zwischen Neuronen spielt, neigt bei neurologischen Störungen wie der Alzheimer-Krankheit dazu, sich abnormal auf den Nervenzellen anzusammeln.

Dieses Phänomen führt nicht nur zu einer falschen Verbindung zwischen den Neuronen, sondern auch zu deren Degeneration und Absterben.

Andererseits wurde auch die Anhäufung eines anderen Proteins namens Tau in den Neuronen festgestellt. Das Protein steht im Zusammenhang mit der Degeneration und der Bildung von neurofibrillären Knäueln. Diese beeinträchtigen die korrekte Funktion des zentralen Nervensystems.

Zusätzlich wurde eine abnormale Anzahl von Gliazellen wie Astrozyten und Mikroglia festgestellt. Dieser Faktor wird mit entzündlichen Prozessen im Gehirn in Verbindung gebracht wird.

Schließlich wurde in einer weiteren (spanischsprachigen) Arbeit mit dem Titel Molekulare Grundlagen der Alzheimer-Krankheit bei Delfinen auf folgende Tatsache hingewiesen: Diese Säugetiere exprimieren die Proteine, die am direktesten an der Bildung von Beta-Amyloid-Plaques beteiligt sind, ganz ähnlich wie beim Menschen.

Wie Demenz und Massenstrandungen zusammenhängen

Obwohl man jetzt meinen könnte, dass alle Delfine, die auf hoher See sterben, an einer Form von Demenz leiden, könnte die Realität anders aussehen. Zum einen ist diese Walart gesellig, das heißt, sie lebt in Gruppen von bis zu 30 oder mehr Tieren. Zudem gibt es in ihren sozialen Beziehungen eine gewisse Hierarchie, d. h. es gibt einen Anführer, der die ganze Herde leitet.

Wenn man bedenkt, dass dieses Tier in der Regel das erfahrenste und älteste ist, könnte es am ehesten an einer altersbedingten Degeneration des zentralen Nervensystems leiden.

Nach dieser Theorie könnte der Anführer an einer Art Demenz leiden und den Rest der Delfine unwissentlich in die Irre führen, sodass die gesamte Gruppe schließlich strandet.

Was haben Menschen und Delfine gemeinsam?

Wie der Mensch haben Delfine im Vergleich zu anderen Säugetieren eine höhere Lebenserwartung. Arten wie der Streifendelfin können sogar bis zu 60 Jahre alt werden. Das geht aus einer Studie hervor, die in der englischsprachigen Zeitschrift, Alzheimer’s and Dementia veröffentlicht wurde. Es gibt Hinweise darauf, dass Delfine aufgrund ihrer Langlebigkeit anfälliger für die Entwicklung bestimmter Krankheiten wie Alzheimer oder Demenz sind.

Ebenso kann es bei Menschen als auch bei Delfinen zu Veränderungen in der normalen Funktion des Hormons Insulin kommen. Folglich sind sowohl Delfine als auch Menschen gefährdet, an Diabetes zu erkranken. Diese Erkrankung gilt als Risikofaktor für das Auftreten dieser Störungen des zentralen Nervensystems.

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Delfine leiden an Demenz: Warum ist das so?

Schließlich sind trotz aller Erkenntnisse, die darauf hindeuten, dass Delfine an einer Art von Demenz leiden. Weitere Studien sind allerdings erforderlich, um zu verstehen, wie diese neuronalen Veränderungen das Verhalten dieser Zahnwalart wirklich beeinflussen. Obwohl sie ähnliche Störungen wie Menschen aufweisen, könnten sich die Krankheiten auf ganz andere Weise entwickeln.

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