Insulares Riesen- und Zwergwachstum: was ist das?

22. Juli 2019
Insulares Riesen- und Zwergwachstum sind die Begriffe, die man für zwei evolutionäre Prozesse bei Tieren und Pflanzen verwendet, die nur auf einer Insel oder Inselgruppe vorkommen und weitab vom Kontinent leben. Auf diese Art und Weise versuchen sie, die externen Konditionen zu überleben.

Die Mechanismen, die man als insulares Riesen- und Zwergwachstum bezeichnet, findet man bei bestimmten endemischen Spezies auf den Inseln aller Welt vor. Wir möchten dir mehr über dieses Phänomen in unserem Artikel erklären.

Was ist insulares Riesen- und Zwergwachstum?

Zu allererst ist es sehr wichtig zu erklären, wovon wir sprechen, wenn wir den Begriff insulares Riesen- und Zwergwachstum verwenden.

In beiden Fällen handelt es sich um eine evolutionäre Antwort des Tier- und auch Pflanzenreiches, das sich weitab vom Festland auf den Inseln befindet.

Beim insularen Riesenwachstum werden die Tiere größer als ihre Vorfahren, und das geschieht hauptsächlich aus den folgenden drei Gründen:

1. Abwesenheit von Raubtieren

Ist ein Tier sehr klein, so ist es Raubtieren gegenüber verletzlicher, doch es kann sich allerdings auch einfacher vor ihnen verstecken.

Lebt es auf einer Insel, auf der es keine natürlichen Feinde hat, so kann es problemlos wachsen.

2. Fehlender Wettbewerb

Ein weiterer Grund für insulares Riesenwachstum sind fehlende Mitstreiter, die sich von derselben Nahrung ernähren. Da diese Tierart die „einzige“ ist, kann sie somit mehr fressen und wächst deshalb auch größer.

3. Anwesenheit großer Beutetiere

Sind die Beutetiere sehr groß, so müssen sich auch die Raubtiere anpassen. Deshalb lösen sie dieses evolutionäre Problem durch Wachstum.

Insulares Zwergwachstum ist der gegensätzliche Prozess, bei dem eine Spezies immer kleiner wird. Da sie auf einen kleinen Lebensraum (eine Insel) beschränkt sind, werden die Tiere kleiner, um sich der fehlenden Nahrungsquellen anzupassen.

Beispiele für insulares Riesen- und Zwergwachstum: Riesenwachstum

Nagetiere und Vögel sind ein klares Beispiel für insulares Riesenwachstum, doch es beschränkt sich nicht auf diese Tierarten.

Die meisten sehr groß gewachsenen Tiere sind zwar heutzutage ausgestorben, doch es gibt immer noch einige Beispiele dafür.

1. Galapagosschildkröte

Es gibt 10 Schildkrötenarten, die man unter diesem Namen zusammenfasst (sie zieren übrigens auch unser Titelbild) und sie sind untereinander verwandt.

Die Tiere leben auf den Galapagosinseln im pazifischen Ozean, die zu Ecuador gehören und sind die größten Schildkröten der Welt. 

Sie können über zwei Meter groß werden und bis zu einer halben Tonne wiegen! Ihre Lebenserwartung liegt bei über 170 Jahren.

2. Riesengrashüpfer

Diese gehören zu den größten und schwersten Insekten auf der Welt und sie leben in Neuseeland. Sie können bis zu 10 cm lang werden und 30 g wiegen! Männchen sind hierbei größer und aggressiver als Weibchen.

Der Riesengrashüpfer aus Neuseeland

Tagsüber verstecken sie sich in hohlen Baumstämmen oder Spalten, doch nachts gehen sie mit ihren großen Kiefern auf die Jagd. Am liebsten verzehren sie Käfer und Nachtfalter.

3. Fossa oder Frettkatze

Es handelt sich hierbei um ein fleischfressendes Säugetier, das nur auf der Insel Madagaskar vorkommt und man nimmt an, dass es das einzige Raubtier in seinem Lebensraum ist. Verglichen mit seinen Vorfahren, wiegt und misst es heutzutage das Doppelte!

Hier kannst du mehr über die Tierwelt Madagaskars erfahren: Die beeindruckende Fauna von Madagaskar

Frettkatze aus Madagaskar

Heutzutage sind die Männchen etwa 80 cm lang (mit einem Schwanz, der weitere 90 cm zu ihrer Körperlänge hinzusteuert) und wiegen ungefähr 10 kg.

Beispiele für insulares Riesen- und Zwergwachstum:  Zwergwachstum

Insulares Zwergwachstum kommt öfter bei Säugetieren vor, doch es geschieht auch bei einigen Reptilien. Die folgenden Beispiele sind besonders interessant:

1. Insel-Graufuchs

Es handelt sich hierbei um eine kleine Tierart, die auf den Santa Barbara Inseln vor Kalifornien lebt. Dies ist die kleinste Fuchsart Nordamerikas und ihr Körper ähnelt dem von Katzen.

Sie sind etwa 50 cm lang und haben einen 20 cm langen Schwanz. Ihr Gewicht liegt normalerweise bei zwei kg.

Insulares Riesen- und Zwergwachstum: der kalifornische Inselgraufuchs

2. Kubanisches Krokodil als Beispiel für insulares Zwergwachstum

Dieses Reptil ist das kleinste der Familie der Saurus, es wächst nicht mehr als drei Meter. Wie sein Name es schon verrät, lebt es auf Kuba, in einem sehr begrenzten Lebensraum.

Es ernährt sich von Vögeln, Fischen und Säugetieren. Trotz seiner Größe handelt es sich um eines der gefährlichsten!

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Das kubanische Krokodil ist ein weiteres Beispiel für insulares Riesen- und Zwergwachstum im Tierreich

Insulares Riesen- und Zwergwachstum ist also eine intelligente Art der Evolution, auf die diese Tiere sich ihrem Lebensraum anpassen.

In vielen Fällen gelingt es ihnen aber dennoch langfristig nicht und sie sterben aus. Das liegt allerdings auch an äußeren Faktoren, wie das Auftreten des Menschen.

  • Lomolino, M. V. (2005). Body size evolution in insular vertebrates: Generality of the island rule. Journal of Biogeography. https://doi.org/10.1111/j.1365-2699.2005.01314.x