Tiervideos können den illeglen Tierhandel fördern

· 10. Februar 2019
Tiervideos sind zwar süß und interessant, doch sie bergen auch Gefahren für die gefilmten Tiere. Wir alle sehen und teilen sie gerne in sozialen Netzwerken, doch diese unschuldige Geste hat in manchen Fällen auch dunkle Schattenseiten.

Tiervideos sind zwar süß und interessant, doch sie bergen auch Gefahren für die gefilmten Tiere. Wir alle sehen und teilen sie gerne in sozialen Netzwerken, doch diese unschuldige Geste hat in manchen Fällen auch dunkle Schattenseiten.

So wurde zum Beispiel der Sunda-Plumplori im Jahr 2009 sehr bekannt, da verschiedene Tiervideos von dieser Art im Internet veröffentlicht wurden. Man konnte sehen, wie die kleinen Loris Bananen essen oder gekitzelt werden. Doch welche Folgen können diese Videos haben?

Tiervideos und ihre Gefahren

Auch wenn viele Arten, die auf Tiervideos in sozialen Netzen zu sehen sind, wirklich süß und lustig sind, handelt es sich oft um Wildtiere, die vom Aussterben bedroht sind. 

Aus diesem Grund hat sich eine Gruppe von Forschern entschieden, die Auswirkungen dieser Tiervideos auf die Erhaltung der Art zu analysieren.

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Das Team analysierte mehr als 12.000 Kommentare über Videos, die in YouTube veröffentlicht wurden. Dabei wurden die Tiere nicht nur als „süß und niedlich“ bezeichnet. Viele äußerten auch den Wunsch, sie als Haustiere zu halten und zu kaufen. Es wurde auch gefragt, wo sie gekauft werden können.

Die Forscher vermuten deshalb, dass Tiervideos direkt mit dem illegalen Handel bedrohter Arten in Verbindung stehen könnten. Die Primatologin Anna Nekaris erklärt, dass Sunda-Plumploris bis zur Veröffentlichung der besagten Videos kaum bekannt waren.

Es handelt sich um Wildtiere, deren Haltung als Haustiere verboten ist. Sie werden dadurch ihrem natürlichen Lebensraum entrissen. Diese Art kann in Gefangenschaft kaum gezüchtet werden.

In der Studie stuften Nekaris und ihre Kollegen die Kommentare der Videos in verschiedene Kategorien ein. Sie analysierten auch die Auswirkungen, die berühmte Personen auf diese Videos haben können.

Eine Veränderung der Wahrnehmung

Glücklicherweise haben Forscher diese Tiervideos auch genutzt, um diese Tierart und ihre Probleme bekannt zu machen. So änderte man im März 2011 die Website einer bekannten Online-Enzyklopädie, die von Millionen von Menschen besucht wird, um auf die Situation aufmerksam zu machen.

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In gleicher Weise hat 2012 ein Dokumentarfilm dieses Problem behandelt.

Es hat sich gezeigt, dass sich die Kommentare in den Netzwerken im Laufe der Zeit sehr verändern. Es gibt jetzt mehr Bewusstsein und Information zum Thema.

Das Problem mit Videos von Wildtieren in humanisierten Umgebungen, wie dies bei den Videos der Loris der Fall ist, besteht darin, dass sie zeigen dass diese Tiere gute Haustiere sein könnten. Und sogar behaupten, dass diese Tiere nicht vom Aussterben bedroht sind.

Ebenso zeigen sie, dass wir das Verhalten von Wildtieren nicht vollständig verstehen. In den Tiervideos, in denen diese Art gezeigt wird, scheint der Primat die Arme zu heben.

Die Wahrheit ist, dass diese Tierart dort giftige Drüsen hat. Es handelt sich also eher um ein Abwehrverhalten als ein Zeichen der Zuneigung oder Spaß am Kitzeln.

So hat die NGO „International Animal Rescue“ eine Website namens „Kitzeln ist Folter“ geschaffen, auf der sie über die Probleme dieser Tierart und ihren illegalen Handel berichten. Wir hoffen, dass anderen Tierarten in sozialen Netzen nicht dasselbe Unrecht geschieht.

  1. Is Social Media Saving or Enslaving the Slow Loris?: Anna Nekaris at TEDxNashville – https://youtu.be/DXvAv-Tacxw
  2. Nekaris, K. A. I., Musing, L., Vazquez, A. G., & Donati, G. (2016). Is Tickling Torture? Assessing Welfare towards Slow Lorises (Nycticebus spp.) within Web 2.0 Videos. Folia Primatologica. https://doi.org/10.1159/000444231