Ist das Antibell-Halsband empfehlenswert?

· 2. November 2018
Man erreicht mit ihnen nicht das gewünschte Resultat und diese Geräte können außerdem die Gesundheit und das Wohlergehen des Hundes schädigen. Manchmal schalten sie sich sogar ein, wenn der Hund gar nicht bellen wollte, weswegen sie wirklich nicht empfehlenswert sind.

Eine der für uns unangenehmsten Angewohnheiten unserer Hunde ist das Bellen. Wenn ein Hund dies sehr oft tut, dann probieren manche Menschen das Antibell-Halsband aus. Wir möchten dir erklären, was das ist und wie es funktioniert.

Was ist ein Antibell-Halsband?

Ein Antibell-Halsband ist ein Gerät, das sich aktiviert, wenn es eine Aktivität im Hals unseres Hundes bemerkt. Das Gerät schickt dann einen für den Hund unangenehme Stimulus, damit dieser sein Bellen unterdrückt.

Meistens sind es elektrische Schläge, doch es kann auch Ultraschall, Vibration oder ein Spray sein.

Das Antibell-Halsband will also unseren Hund strafen, damit er aufhört zu bellen. Es möchte erreichen, dass der Hund seine Aktivität in der Kehle mit etwas unangenehmen verbindet. Um diesen Stimulus zu vermeiden, hört er angeblich auf zu bellen.

Das ist die Theorie, auf der sich das Antibell-Halsband stützt. Sie berücksichtigt allerdings nicht, dass Hunde aus sehr vielen verschiedenen Gründen bellen und nicht alle von ihnen absichtlich sind!

Das Bellen ist ein Kommunikationselement, doch es gibt viele verschiedene Arten von Bellen. Man kann Gebell aus emotionalen Gründen nicht vermeiden oder unterdrücken.

Körperliche Konsequenzen des Antibell-Halsbandes

Es gibt viele Arten von Antibell-Halsband, doch alle haben Folgen für die körperliche Gesundheit des Hundes. Dieser Apparat wird am Hals des Tieres angebracht. Das ist eine der sensibelsten Stellen.

Dort sind Hormondrüsen, wie zum Beispiel die Schilddrüse. Des Weiteren durchlaufen Nerven, die mit dem Rückenmark und dem Gehirn verbunden sind, den Hals.

Der Großteil dieser Halsbänder ist elektrisch. Das bedeutet, dass sie jedes Mal, wenn sie eine Vibration in der Kehle spüren, einen elektrischen Schlag auslösen. Der wird dann über die Nerven, die den Hals durchlaufen, auf den ganzen Körper des Tieres übertragen.

Die Hersteller versichern zwar, dass es sich nur um wenige Volt handle. Damit die „Strafe“ aber effektiv ist, muss sie schmerzhaft sein.

Folgen des Antibell-Halsband

Möchtest du deinem geliebten Hund wirklich Schmerzen zufügen?

Jegliche Spannung oder Schmerz am Hals hat Konsequenzen für den ganzen Körper, da sie über das Rückenmark weitergegeben wird.

Die elektrischen Schläge lösen Muskelanspannungen, Versteifungen, neuronale Probleme, Herzrasen und anderes aus.

Sie verändern auch die normale Funktion des lymphatischen Systems, des Blutkreislaufes und können den Stoffwechsel beeinträchtigen, da die Geräte in der Nähe der Schilddrüse angebracht werden.

Die Geräte mit Ultraschall beeinträchtigen das Gehör und können Geräuschhalluzinationen hervorrufen. Des Weiteren schädigen sie auch das Gleichgewicht und die Orientation.

Genauso provozieren sie ebenfalls körperlichen Schmerz und ein tiefes Unwohlsein im Tier.

Jene Geräte, die Spray benutzen, tun dies direkt an den Nasenhöhlen der Hunde. Der Geruchssinn ist bekanntlich der wichtigste unserer Fellnasen.

Wenn man dort aggressive Produkte wie Citronella anwendet, so kann das den Verlust ihrer Sensibilität bedeuten und ihre Riechdrüsen beschädigen.

Sie lösen Schmerz und Jucken aus. Die Tiere können nicht mehr mit ihren Artgenossen über ihren Geruchssinn kommunizieren und auch die Schleimhäute können austrocknen oder zu viel Schleim herstellen.

Den Gerruchssinn eines Hundes zu verändern ist das Schlimmste, was man ihm überhaupt antun kann. Damit erforscht er seine Welt und tritt mit anderen Hunden in Kontakt.

Seine Nase ist von grundlegender Bedeutung für seine körperliche und seelische Gesundheit.

Es hat sich herausgestellt, dass die Benutzung dieser Art von Geräten einen kontinuierlichen Stress für unsere Hunde bedeutet. Dadurch erhöhen sich auch die Cortisolwerte im Blut.

Erhöhte Cortisolwerte führen zu schlechter Laune, der Unfähigkeit sich auszuruhen, Reizbarkeit, Verdauungsproblemen (Erbrechen und Durchfall ohne sichtbare Gründe) und erhöhter Emotionalität.

Das bedeutet, dass der Hund über weniger Selbstkontrolle verfügt und sein Verhalten deswegen schlechter wird.

Psychologische Konsequenzen des Antibell-Halsbandes

Diese Art von Halsband hat aber nicht nur körperliche, sondern auch psychologische Folgeerscheinungen. Wenn man einen Hund ständig straft, so löst man nicht die Verhaltensprobleme, sondern verschlimmert sie nur.

Die Apparate senden einen negativen Stimulus, jedes Mal, wenn der Hund seine Kehle benutzen möchte. Der Hund weiß aber gar nicht, woher dieser negative Stimulus kommt. Er befindet sich an seinem Hals und er kann ihn gar nicht sehen.

Warum bellt mein Hund?

Außerdem kann das Gerät auch aus anderen Gründen senden: ein Bellen, das der Hund schon selbst unterdrückt, Schnauben oder Knurren, oder sogar ein Sendefehler kann die Foltermaschine aktivieren.

Das Tier kann also weder voraussehen, wann es eine Strafe erhält, noch weiß es, wer ihn straft.

Das alles verursacht Stress, Unsicherheit und Angst. Gestresste Hunde verhalten sich meist schlechter als entspannte.

Deswegen ist das Antibell-Halsband nicht nur unnütz, sondern schafft auch noch neue Probleme. Unsicherheit führt zu unvorhersehbarem Verhalten.

Angst ist bei Hunden einer der Hauptgründe für Aggressivität und deswegen auch für Angriffe und Bisse. Wenn sie mit einem negativen Stimulus konfrontiert werden, bevorzugen Hunde es meistens, zu flüchten.

Da sie aber gar nicht wissen können, was ihnen den Schmerz bringt, können sie sich nur auf das Nächstbeste stürzen, weil sie denken, dass die Qual so vielleicht aufhört.

Unser Lesetipp: Aggressives Verhalten beim Hund; was kann man tun?

Die psychologischen Schäden der Angst, Unsicherheit und Aggressivität kann man möglicherweise nicht wieder gut machen.

Der Hundepsychologe wird in diesem Fall teuer und die Behandlung langwierig. Es kann zu lebenslangen Folgeschäden kommen.

Ist ein Antibell-Halsband empfehlenswert?

Auch wenn die Hersteller ihre Geräte damit anpreisen, dass sie verschieden Voltstärken haben, wasserdicht seien oder in weiterem Umkreis funktionieren, so kann keines von ihnen feststellen, warum ein Hund bellt.

Was tun, wenn mein Hund Angst hat?

Es gibt viele Arten von Bellen aus verschiedenen Gründen. Manche sind erlernt, doch andere sind emotional. Hunde bellen aus Stress, Schmerz oder auch Glücksgefühlen. Diese sind nicht absichtlich und unser Hund tut das nicht, um uns oder die Nachbarn zu ärgern.

Bei erlerntem Bellen funktionieren die Antibell-Halsbänder nicht. Es mag sein, dass er bellt, weil er danach sein Fressen bekommt, weil er den Nachbarhund ärgern will oder weil er einfach nur unsere Aufmerksamkeit in Form eines „Sei still!“ haben möchte.

Doch auch bei emotionalem Bellen sind diese Halsbänder unnütz. Der Hund kann nicht aufhören zu bellen, bis sich sein emotionaler Zustand ändert. Nur wenn wir es schaffen, die Emotion zu ändern, verändert sich auch sein Verhalten.

Lies hierzu auch: Straf-Halsbänder: die Gesundheit deines Hundes steht auf dem Spiel

Das ist bei Menschen ja schließlich genauso. Wir können ein Kind zwar anbrüllen oder bestrafen, doch deswegen hört es dennoch nicht auf zu weinen. Nur wenn die Trauer weicht, trocknen auch die Tränen.

Die einzige Art, übermäßiges Bellen abzugewöhnen ist es, den eigentlichen Grund des Bellens zu erforschen und die Motivation zu beenden.

Das kann ein Antibell-Halsband allerdings nicht, deswegen bringt es auch keine Lösung für das Problem.

Außerdem kann die Benutzung solcher Foltermethoden schwere Konsequenzen für den Rest des Lebens unserer Fellnase haben.